Meine Sicht zum Fall Armstrong

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      • Wasserträger
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      Zuerst eine Vorbemerkung: Wie in einer Diskussion, die wir hier schon vor Jahren geführt haben, bereits festgestellt, bin ich aus verschiedensten Gründen für ein Ende der Scheinheiligkeit und eine Freigabe von Doping. Das nur, um „das Terrain abzustecken“.

      Nun zum aktuellen „Drama“:

      Die Entscheidung der USADA ist an Scheinheiligkeit, Bösartigkeit, Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten. Die WADA generell ist eine Bande von selbstgerechten und geltungssüchtigen Funktionären, denen es überhaupt nicht um die Sauberkeit des Sports geht sondern um persönliche Profilierung und Ruhm. Schon ihr erster Chef, Dick Pound, war ein typischer Zukurzgekommener. Chef des IOC ist er nicht geworden, also entschloss er sich, den Sport von nun an zu jagen. Ich kenne Mr. Tygart nicht, aber ich schätze ihn genauso ein

      1. Es ging in erster Linie darum, einen „großen Fisch“ zu fangen, um jeden Preiß. Selbst um den, dass man andere Fahrer zwar des Dopings überführte aber nur sehr milde bestraft im Austausch gegen Armstrong Kopf.

      Die Gesinnung der verschiedenen WADA-Gremien wurde vor Kurzem in Österreich evident. Die NADA hat den Langläufer Christian Hoffmann gejagt. Der war so clever, sein Handy nach einer Befragung in eingeschaltetem Zustand im Verhörzimmer zu „vergessen“. Das was die NADA-Leute dann besprochen haben wurde aufgezeichnet. Haarsträubend. Es ging nicht um ein gerechtes Urteil. Link: sport.orf.at/Stories/2111441/2111354/

      So sind die diversen ADAS…

      2. Was glauben die eigentlich, wer sie sind? Wie kann die USADA das Recht haben, die Ergebnislisten der Tour umzuschreiben? Wenn, dann käme das der UCI oder der TdF selbst zu.

      3.Lance bekam gleich lebenslang. Bisher, so glaubte ich, war das nur bei einem bereits verurteilten Dopingsünder, der rückfällig wurde, der Fall. Man hat sich also an keine, wie immer geartete, Ordnung gehalten. Und diese Leute erdreisten sich, Recht zu sprechen…

      4. Wie immer, wenn es um Doping geht, wurden auch hier fundamentale Rechtsgrundsätze verletzt. Hier in Österreich nennt man das Unschuldsvermutung. Sie treibt ja seltsame Blüten. Selbst Politiker und andere Verbrecher, die bereits vor Gerich verurteilt sind, aber noch nicht rechtskräftig, weil sie noch an höhere Instanzen berufen, dürfen z.B. In der Presse nicht als Schuldige bezeichnet werden. Wird in einem Artikel über den Fall berichtet, endet der immer mit dem Zusatz:“Es gilt die Unschuldsvermutung.“ Sportler aber dürfen verurteilt und bestraft werden ohne klare Beweise. Es ist haarsträubend und eine grobe Menschenrechtsverletzung.

      5. Lächerlich auch, wie diese Leute -Funktionäre eben, die von den Emotionen des Sports nichts das Geringste verstehen – glauben, sie könnten wirklich die Geschichte ändern. Ein Armstrong-Fan hat sich gefreut, als Lance siebenmal gewann. Die großen Gefühle bei seinen Attacken, hat er miterlebt, das kann kein USADA-Urteil ihm nehmen. Genaus wie ein Ullrich-Fan sich damals geärgert hat. Auch das kann man heute nicht mehr ändern. Und auch für die Sportler selbst ist es ja so. Armstrong hat die sieben Siege erlebt, was ändert es da, wenn es in den Geschichtsbüchern nun anders steht.

      Und er hat es richtig gesagt: Seine Kollegen wissen, wer damals der Stärkste war und wer der Sieger BLEIBT.

      6. Wenn irgendwelche Journalisten oder andere Besserwisser nun zum hundersten Mal schreiben, dass der Radsport untergehen wird bzw. Am Abgrund stehe, was wissen diese Idioten schon. Ich war heuer wieder in Flandern bei der Ronde und habe gesehen, wie sehr die Fans ihn lieben. Und die Zusehermassen bei Giro und Tour sind auch nachgewiesenermassen nicht da gewesen, um gegen Doping zu protestieren…

      7. Lance hat genau den richtigen Schritt gemacht. Sie wollten ihn in USA-Manier publikumswirksam hängen, mit rauchenden Colts in den Halftern, zur Strecke gebracht wie einst Billy the Kid. Aber diesen Gefallen hat er ihnen nicht gemacht.

      8. Ekelerregend finde ich all die Verräter aus seinem ehemaligen Team. Allen voran Hincapie. Ich habe ihn eigentlich immer gemocht, jetzt aber bin ich froh, dass er keines meiner Lieblingsrennen (Flandern und Roubaix) je gewonnen hat. Sie haben es alle deswegen nicht weiter gebracht, weil ihnen in jeder Hinsicht Hirn und Klasse fehlen.

      9.Nach ein paar Jahren wird man sich nicht an den Beamten Tygart erinnern sondern wieder an den Tour-Dominator Armstrong. Wie sehr Champions in den Herzen der Fans weiterleben zeigt am Besten das Beispiel von Pantani.

      Und selbst in den in USA: Wer weiss heute noch, wie jener sektenhafte Investigator hiess, der Bill Clinton in der Sache Monica Lewinsky verfolgte als wäre er der Großinquisitor? Ich habe den Namen dieses Scharlatans vergessen Aber Bill Clinton hat seinen, positiven, Platz in der Geschichte.

      10. Und noch ein letzter Punkt: Wer gibt der WADA das Recht“ zu definieren, wie wir unseren Sport gut finden sollen. Ich, und offensichtlich viele andere, lieben ihn so, wie er ist… Das sollen die WADA-Verbrecher akzeptieren.

      Tun sie aber nicht, weil es (11) im Kampf gegen Doping nur um das Geld geht, dass die Dopingjäger, Labore und Journalisten machen. Und um Macht und Posten. Um sonst nichts….

      Gruss

      Karl-Heinz

      P.S.: WADA hin oder her, the show goes on…

      #723830
      Avatar-FotoMajka
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        Stimme dir in den meisten Punkten zu.

        Es macht mich wütend und traurig, wenn ich in den Nachrichten in diesen Tagen ständig den Radsport sehen muss. Denn es kommt nur das Thema Armstrong. Nicht die Vuelta, nicht die Dänemark- oder Portugal-Rundfahrt. Nur Armstrong. Auch in den ganzen Zeitungen findest du kaum was zum Sport an sich. Degenkolb räumt ab, aber nur Doping ist interessant. Mich kotzt diese Doppelmoral an, die man in den Medien findet. Während den Olympischen Spielen hat ARD/ZDF sich schön zurück gehalten, obohl da Sportler und Sportarten zu sehen waren, die nicht besser dran sind.

        Natürlich sind nicht die Medien an all dem Schuld, aber letztendlich ist es leider so, dass unsere Medien die Meinung der Gesellschaft macht. Wenn es ums Thema Radsport geht, denkt jeder nur an Doping. Das liegt a) an der Antidopingagentur und dem ganzen Dreck, wie du schon schön beschrieben hast und b) aber eben auch an den Medien. Vergleicht man den Umgang mit anderen Sportarten, so tut jede Sportart alles dafür, bloß keine Dopingskandale zu haben oder an die Öffentlichkeit zu bringen, aber der Radsport nicht. Dort wird sogar händeringend danach gesucht und dann wird es verbreitet, als wäre es das Wichtigste.

        Aber ich habe gelernt, mich darüber nicht mehr aufzuregen. So ist es eben. So sind die dummen Menschen.


        I think we’ll ride fast tomorrow.
        Bjarne Riis

        #723831
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          OWI, eins verstehe ich nicht. Wieso prangerst du die „Verräter“ so an? Ist nicht eine Voraussetzung für dein Ziel im Antidopingkampf, dass alle erstmal reinen Tisch machen und alles gestehen, aber dabei straffrei davon kommen?

          So ungefähr ist es doch bei Hincapie und Co. gelaufen, nur dass sie ihren Dreck nicht so richtig öffentlich gemacht haben.


          Vive le Tour. Vive le cyclisme.

          #723832
          Avatar-FotoMajka
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            Wahrscheinlich, weil jeder im Feld weiß, dass gedopt wird und jeder kennt auch das System und die Art und Weise, wie man in den Medien darüber redet. Es gehört nun mal dazu. Und dann kommen da ein paar Leutchen und klagen einen ehemaligen, verdienten, Kollegen so an. Finde ich ebenfalls unter aller Sau.


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            Bjarne Riis

            #723833
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              Viele haben von Armstrong profitiert, aber wenn man getrennte Wege geht, verliert auch die Loyalität und Freundschaft an Gewicht.

              Landis und Hamilton haben wichtige Titel verloren, hier .. eigentlich Verständlich dass sie auspacken, nur schon aus Frust. Eben, wenn ich schon an die Kasse komme, dann du auch.

              Aber Hincapie ist mir nicht klar, den werde ich noch Ferndiagnosen .. komisch seine Äusserungen, eben halt nicht transparent. Galt er doch als engster Freund von Armstrong.


              102

              #723834
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                • Kapitän
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                Ein 16 Jähriger hat Armstrong in den Arsch getreten: http://sport.orf.at/stories/2137476/2137480/ :D

                #723835
                Avatar-FotoOWI
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                  • Wasserträger
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                  Quote:
                  OWI, eins verstehe ich nicht. Wieso prangerst du die „Verräter“ so an? Ist nicht eine Voraussetzung für dein Ziel im Antidopingkampf, dass alle erstmal reinen Tisch machen und alles gestehen, aber dabei straffrei davon kommen?

                  Ich führe ja keinen „Anti-Doping-Kampf“, ich bin ja für die Freigabe im Profisport . Unter den Voraussetzungen, dass man gefährliche Übertreibungen verhindert, indem man Grenzwerte setzt. Klassisches Beispiel: der Hämatokritwert. Man darf mit EPO und Co. arbeiten wie man will, aber der HTK-Wert darf zum Beispiel (willkürlich gewählt) 53 nicht überschreiten. Liegt man darüber, wird man zwar nicht bestraft, darf aber an dem betreffenden Tag nicht starten. So ginge es ohne weiteres und sehr sinnvoll… Aber darüber wird sich nie jemand Gedanken machen, denn dann gäbe es ja keine Betätigung mehr für geltungssüchtige WADA-Funktionäre und Journalisten.

                  Das Ungerechte mit den Verrätern ist, dass die straffrei oder mit nur geringen Strafen (bei Hincapie ist es ja eine geradezu lächerliche „Strafe“) davonkommen, und ein anderer die Superhöchststrafe bekommt. Dass sie da mitmachen widerspricht für mich allem, wofür der Radsport eben auch steht: man ist eine Mannschaft und hält zusammen bei Hitze, Wind und Regen, gegen jeden Sturm. Man liefert einander nicht aus!!!

                  #723836
                  Avatar-FotoOWI
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                    • Wasserträger
                    • ★★★★★

                    Auf Youtube gibt es das Interview mit Tyler Hamilton auf „Sixty Minutes“. Wenigstens sieht man ihm an, wie unangenehm ihm das Ganze ist…

                    #723837
                    Avatar-FotoFrank`NFurter
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                      • Kapitän
                      • ★★★★★★★★
                      Quote:
                      Original von OWI

                      Quote:
                      Dass sie da mitmachen widerspricht für mich allem, wofür der Radsport eben auch steht: man ist eine Mannschaft und hält zusammen bei Hitze, Wind und Regen, gegen jeden Sturm. Man liefert einander nicht aus!!!

                      Grober Unfug. Was Du da beschreibst ist der Verhaltenskodex der Mafia, nicht aber der aufgeklärter Sportler im 21. Jahrhundert. Die Nibelungentreue bis in den Tod und dabei das eigene Hirn völlig ausschalten sind Untugenden, die die ganze Scheiße die wir jetzt im Radsport haben erst angerichtet haben. Hätten bereits früher ein paar die Omerta, das Gesetz des Schweigens, im Radsport gebrochen, hätte der Radsport jetzt wesentlich weniger Probleme.

                      #723838
                      Avatar-FotoOWI
                        • Beiträge: 202
                        • Wasserträger
                        • ★★★★★
                        Quote:
                        der Verhaltenskodex der Mafia

                        Hier liegt meiner Ansicht nach eine ganz falsche Gewichtung vor. Sportler, die dopen, sind nach wie vor keine Verbrecher.

                        Indem man sie in einen Topf wirft mit Wirtschaftsverbrechern, Politkriminellen (die beide für gewöhnlich im Vergleich zu den Sportlern ja mit Samthandschuhen angefasst werden) und Mördern bzw. Mafiosi, macht man das, was jene Gruppen „echter“ Verbrecher ja erhoffen: man lenkt von ihnen ab auf einen absoluten Nebenkriegsschauplatz.

                        Wenn die Politiker in z.B. Österreich ein genau so hartes Anti-Politik-Korruptionsgesetz gemacht hätten wie daws Anti-Doping-Gesetz, dann wäre der Nationalrat inzwischen mindestens halb leer. Deshalb sind sie froh, dass man die Masse z.B. mit den Doping-Stories ablenken und beschäftigen kann.

                        Mit anderen Worten: das Doping-Problem ist nicht das größte der Menschheit. Wenn wir bloß wirklich keine anderen Sorgen hätten!!!

                        Das ist derselbe Effekt, den die anderen Sportarten ausnützen, indem immer und immer wieder nur der Radsport skandalisiert wird. In diesem Windschatten können die anderen sich wunderbar verstecken. Ich erinnere nur an die sattsam bekannte Fuentes-Liste, wo seltsamerweise nur die Radsportler in der Öffentlichkeit genannt wurden. Was ist mit den spanischen Tennisspielern und Fußballheroen, die möglichweise auch drauf waren?

                        Summa summarum: Die Radsportler mit der Mafia zu vergleichen ist IMHO weder zulässig noch nützlich, ausser für die echten Mafiosi dieser Welt… Die freuen sich!

                        Gruß

                        Karl-Heinz

                        #723839
                        Avatar-FotoFrank`NFurter
                          • Beiträge: 1501
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                          Quote:
                          Original von OWI

                          Quote:
                          der Verhaltenskodex der Mafia

                          Summa summarum: Die Radsportler mit der Mafia zu vergleichen ist IMHO weder zulässig noch nützlich, ausser für die echten Mafiosi dieser Welt… Die freuen sich!

                          Da gebe ich Dir sogar recht, bis auf eine Ausnahme: Lance Armstrong. Er wird nicht zufällig „der Pate“ genannt. Er hat in einem Maße manipuliert, dass das Wort Mafia genau sein Verhalten sehr gut beschreibt. Kriminell ist wirklich nicht jeder Doper (ich persönlich bin wie Du für eine kontrollierte Freigabe), Armstrong aber soll nachweislich zusammen mit seinem mafiösen Netzwerk mit Dopingmitteln gehandelt haben und Dopingmittel vertrieben haben als Hehler.

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