Einordnung Pogacars Alpe d’Huez Zeit

Home Foren Profi-Radsport allgemein Einordnung Pogacars Alpe d’Huez Zeit

  • Dieses Thema hat 4 Antworten sowie 4 Teilnehmer und wurde zuletzt vor 18 Minuten von Avatar-Fotomidas aktualisiert.
Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #780877
    Avatar-FotoStatistik-Zwerg
    Teilnehmer
      • Beiträge: 731
      • Klassikerjäger
      • ★★★★★★★

      Da hier im Forum aber auch sonst in den Medien immer wieder die Diskussion aufkommt, ob die Rekordzeit von Pogacar nicht Beweis genug ist, dass er dopt, wollte ich mal die Entwicklung der Bestzeit Alpe d´Huez mit anderen Rekordentwicklungen in Ausdauersportartnen vergleichen.

      Auffällig ist, dass die Bestzeiten in Alpe d’Huez nicht kontinuierlich besser wurden sondern die Pantanizeiten aus 94-97 lange bis jetzt nicht unterboten wurden. Da könnte es aber viele Erklärungen geben, insbesonders Wetterbedingungen, Strecken- und Rennverlauf werden da einen Einfluss haben, das ist mir aber zu mühselig dass alles über die letzte 30 Jahre herauszusuchen, immerhin war seit 94 16 mal das Ziel in Alpe d’Huez. Aber dieses Jahr war ein besonders schnelles Jahr, Evenepoel war mit 37:57 auch nur knapp an den Top 5 gescheitert (oder nach Streichung von Armstrongs Zeiten hat er nach Pogacar, Pantatni und Ullrich Platz 6). Carapaz und Martinez waren so 3:40 langsamer als Pogacar (habe keine Zeiten gefunden, aber die sind so 3:30 vor dem Feld in den Berg gefahren. Del Toro, Seixas und Skjelmose waren 12 bzw 16s langsamer als Evenepoel also sollten die alle in die Top 20 gefahren sein.

      Die Temposteigerung von Pogacar auf Pantani war 4,4%,zum Vergleich

      10.000 m Weltrekord
      3% Verbesserung von 1993 (26:58,91) auf 2020 26:11:00

      Ironman Roth

      4,8% von 1996 7:57:02 auf 2026 7:24:04

      Marathon
      5,2% 1998 2:06:05 auf 2026 1:59:30

      Radstrecke Ironman Hawaii
      7,8 % 2002 4:18 auf 2024 3:57:22

      Ist nicht passend zu den anderen, da 2002 EPO bereits nachweisbar war, ich meine ab 1999 konnte man in Dopingstest küstliches von körpereigenem EOP unterscheiden

      Radstundenweltrekord
      15% 2014 51,1 km/h auf 2022 56,8 km/h
      wenig aussagekräftig, da die 2014 von Jens Voigt war, der war nicht so der Überflieger im Zeitfahren, hat halt clever die Regeländerung seinerzeit schnell ausgenutzt um in die Liste zu kommen.

      Also sind die 4,4% Steigerung auch unter der Berücksichtigung des Mitte der 90iger Jahren im Ausdauersport weit verbreiteten EPO Dopings durchaus plausibel.
      Was bedeutet das? Ist natürlich kein Unschuldsbeweis, der ist auch gar nicht zu erbringen. Aber Wer Pogacar des Dopings bezichtigt sollte schon mehr haben als nur seine außergewöhnlichen sportlichen Leistungen (Also z.B. welche Substanzen und warum werden die trotz Dopinkontrollen nicht gefunden).

      #780879
      Avatar-FotoJoelle van Dyne
      Teilnehmer
        • Beiträge: 469
        • Edeldomestik
        • ★★★★★★

        Was für mich Stand heute viel deutlicher gegen eine unbewiesene Schuldvermutung spricht:

        – Pogacar wird seit nahezu 8 Jahren durchgehend getestet. Er ist das ganze Jahr aktiv und gewinnt von Mitte Februar bis Mitte Oktober Rennen, wo er als Sieger jedes Mal getestet wird. Die chemische Analytik wird zu jedem neuen Wirkstoff mit entwickelt (sonst könnte man ihn gar nicht entwickeln) und die Testmethoden werden nach und nach hochdurchsatzfähig und damit einfacher und billiger. Hätte Pogacar vor 5 Jahren mit irgendetwas „Neuem“ gedopt, könnte man ihm das heute mit fast 100%iger Sicherheit bereits nachträglich nachweisen (Die Proben werden ja aus rechtlichen Gründen mindestens 10 Jahre aufbewahrt, sowohl nach Vorgaben der WADA, als auch der NADAs). Aber an der Front gibt es einfach gar nichts, keine irgendwie geartete Auffälligkeit bis heute!

        – Außerdem darf man davon ausgehen, dass ein Fahrer der so lange und so intensiv auf Doping getestet wird, irgendwann einmal das Pech hat, dass die Doping-Fahnder zu einem Zeitpunkt an seiner Tür klingeln, wo es eben nicht mehr abstreitbar wäre, wenn jemand tatsächlich dopt. Es zieht sich ja wie ein Roter Faden durch die Dopinggeschichte, dass solche Athleten dann zuvor schon mindestens einmal auffällig wurden, weil sie sich angemeldeten Proben entzogen oder eine Stunde vor dem Eintreffen der Fahnder nicht mehr erreichbar waren. Nichts davon konnte bisher Pogacar nachgesagt werden. Er hat unzählige Dipingproben zu jedem Zeitpunkt des Jahres abgegeben. Und weil er seinen Wohnsitz in Monaco hat und auch dort lebt, war er nicht von einem unterstellten Wohlwollen der slovenischen NADA geschützt, sondern muss sich mit den französischen Dopingfahndern auseinandersetzen.

        – Und dann ist Pogacar einfach auch noch so viel besser, dass die einzige Erklärung für so eine Dominanz über einen so langen Zeitraum, die man mit Doping in Verbindung bringen will, der erstaunliche Umstand wäre, dass er der einzige ist der so dopt. Selbst seine Teamkollegen können nicht nur sein Niveau nie matchen, sondern haben regelmäßig Formschwankungen und schlechte Phasen. Man müsste also davon ausgehen, dass irgendeine sehr große Pharmafirma auf der Welt unter Einsatz von Milliardensummen in der Entwicklung, einen absoluten Super-Hammer-Doping-Wirkstoff entwickelt, der einem einzigen Fahrer aus dem kleinen Slovenien unter Wahrung absoluter Geheimhaltung Hunderter Pharmamitarbeiter in der Entwicklungsabteilung übergeben wird, nur damit dieser eine Mensch den Radsport dominiert. Die Kosten bleiben beim Entwickler hängen und dessen Aktionäre fragen nicht nach und die Chefs und Vorstände verzichten auf ihre Boni. Das ist dermaßen absurd idiotisch, dass selbst dem letzten auffallen sollte, dass es so nicht sein kann.

        Nein, Pogacar ist einfach ein Jahrhunderttalent. So etwas hat es schon immer gegeben, nur für die Zeitgenossen, ist so jemand etwas Besonderes. Aus Sicht der Evolution ist das Business as usual.

        Eine seriöse Debatte über Doping bei Pogacar würde sich erst lohnen, wenn es wenigstens mal einen konkreten Hinweis auf ein Verfahren oder eine Substanz gäbe. Aber auch da: nichts, nada.

        #780884
        Avatar-FotoKrollekopp
        Teilnehmer
          • Beiträge: 3227
          • Tour-Sieger
          • ★★★★★★★★★

          Ich bin da eher pessimistisch und denke das ist noch so wie bei Ulle, dass er keinen betrogen hat, weil alle das gleiche machten. Übrigens nicht nur beim Radsport, sondern in allen Leistungssportarten. Es geht einfach um zu viel, als das da nicht einige schwach werden dürften. An das die dann einen Vorteil haben, machen die anderen auch, usw. Vielleicht bin ich da zu pessimistisch…

          Kam denn in den letzten 5 Jahren überhaupt etwas neu auf die Dopingliste? Das wäre ja die Voraussetzung dafür, dass bei alten Pogacar-Proben was auffallen könnte. Wenn die Liste unverändert ist, gibts auch nichts neues zu finden.

          Testhäufigkeit sehe ich auch nicht als soo starkes Argument. Wenn es was neues ist was nicht auf der Liste steht ist man ja safe.

          Völlig richtig, ist natürlich, dass das Argument mit Pogacars Überlegenheit Quatsch ist. Wie Du sagts, kann man wohl davon ausgehen, dass zumindest die Topfahrer das gleiche Zeug haben und dann macht eben doch die persönliche Leistungsfähigkeit den Unterschied; oder wessen Körper besser aufs Doping anspricht. ;-)

          #780885
          Avatar-FotoStatistik-Zwerg
          Teilnehmer
            • Beiträge: 731
            • Klassikerjäger
            • ★★★★★★★

            Natürlich wir die Dopingliste aktualisiert, hie z. B. die Änderungen von 2025 auf 2026:
            https://www.nada.de/fileadmin/nada/SERVICE/Downloads/Verbotslisten/2026_Infoblatt_Verbotsliste.pdf

            #780890
            Avatar-Fotomidas
            Moderator
              • Beiträge: 7110
              • Radsport-Legende
              • ★★★★★★★★★

              Das einzige was man mal herauszog war dieses CO Inhalieren, aber das gabs bei Visma auch. Sonst, wie schon anderswo geschrieben, gerüchtet derzeit sehr wenig. Was in der EPO-Zeit schon recht früh anders war. Seppelt wie gesagt letztes Jahr mal ne Story von einer Slowenen Klitsche die Zentrifugen verkauft, aber das gibts sicher in nicht so wenigen Ländern, wenn man sucht. Dieses Jahr kam von Seppelt eigentlich gar nichts vor der Tour, wie sonst doch immer oder?

            Ansicht von 5 Beiträgen – 1 bis 5 (von insgesamt 5)
            • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.