Mehrtagestouren 2007

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    Veloce stanco
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    Schweiztour 17. – 21. Juni 2007

    Geplant war für dieses Jahr eigentlich folgende Route
    Airolo-Gotthard-Altdorf-Klausenpass-Niederurnen-Walensee-Sargans-Romanshorn.

    Dann kam aber wie so oft alles ganz anders. Einer konnte nicht weil Urlaubssperre, ich habe mir im Vorfeld die alten Knochen zu sehr belastet, somit war erstmal Krankengymnastik angesagt.
    Wir (Kollega und ich) haben uns dann aber doch irgend wann mal entschieden vom Rhein aus in die Schweiz reinzufahren und mal zu schauen obs knietechnisch geht. Falls ja, dann halt einfach drauf los.

    An dieser Stelle Gruss an Michele, der einen solchen Wahnsinn mal mitmachen wollte. Mutig, mutig, aber vielleicht wird es ja nächstes Jahr was. Lass die Fluppen weg und es läuft automatisch besser. :D

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    1. Tag von Waldshut-Tiengen nach Solothurn

    Hört sich jetzt mal nach garnicht so wenig an, war aber nur eine Tour bis Egerkingen. Da hat nämlich mein Knie angefangen zu streiken. Ok haben wir uns gedacht, olle Zicke, dann gehen wir halt ins Hotel, Knie kann sich ne Nacht erholen, morgen is wieder gut. Scheiss Egerkingen. Nur businesshotels. Sind dann mit der Bahn nach Solothurn, haben in der Jugi gepoft. Ca. 75-80 Kilometer, wenige Höhenmeter. Landschaftlich, ja, so lala. Flussentlangfahren halt. Immer gut ausgeschildert.

    2. Tag von Solothurn zum Bieler See, dann nach Bern (Belp)

    Knie muckte seltsamerweise nicht mehr. Nur noch gelegentlich. Am Bieler See wurde es dann landschaftlich auch etwas interessanter.

    bielerseeam0.th.jpg

    Im Hintergrund braute sich schon mal die „Gutenachtdusche“ überm Jura zusammen.
    Richtung Bern wurde es dann zunehmend hügeliger.
    Okay, für uns Flachlandtiroler waren da ganz schöne Klemmer bei. Den richtigen Gang wählte das Knie.
    Immer schön langsam…..
    Ach ja, wenn einen eine Ortschaft mit einem Komposthaufen begrüsst, ist das doch die Gelegenheit den Metzgersdaumen Richtung Kamera zu halten.

    velocesmistgq8.th.jpg

    Von Solothurn bis Belp (kurz hinter Bern) müssen es auch so 80-85 Kilometer gewesen sein. Höhenmeter?
    Heiss wars. Geschwitzt wie eine Sau.

    3. Tag von Belp nach Thun – Zugpassage bis Brienz – Susten – Wassen

    Alah gut, Tag der Wahrheit. Das Kniechen war in Ordnung, wir also Richtung Thun geradelt. Ca. 20 – 25 Kilometer, Wetter wieder vom Feinsten. Die ganze Nacht vorher hatte es geschüttet wie verrückt.
    Zuerstmal gings in Richtung alter Wirkungsstättte. Pfleger Stanco wollte den KV in

    mnsingenly9.th.jpg

    besuchen. Liess mich aber von den Schussspuren im Ortsschild abschrecken.

    So langsam kamen auch die Bilderbuchpanoramen zum Vorschein. Da muss die Digi gleich gezückt werden.

    panoramaus5.th.jpg

    Ab Thun mit der Bahn Richtung Brienz. In Brienz am Seeufer gabs schon mal 33 Grad in der Sonne. Und irgendwie wars wieder sehr drückend. Na ja gut, ab nach Meiringen, kurz vorm Susten nochmal Sonnencreme auf die Haut und dann begann das Spektakel.
    Ich könnte ja jetzt schreiben, das ich ungemein viel Spass hatte, aber irgendwie kochte an diesem Tag die gesamte Schweiz. Irgendwann bin ich mal an einem sensenden Bauern vorbeigerollt, der schaute mich an und fragte nur, ob das denn heute wirklich Spass machen würde. Kurze Antwort, hatte schon schönere Tage im Leben.
    Okay, am Passschild oben wird trotz aller Mühsal wieder der Daumen ausgefahren.
    Ab 1900 Meter wars dann ja auch erträglich kühl.

    sustencv9.th.jpg

    Dannach gings runter nach Wassen.
    Kilometer ca. 80 – 90. Weiss ich echt nicht mehr. Höhenmeter zu viele und viel zu warm.

    4. Tag Wassen-Altdorf-Klausenpass-Schwanden

    Diesmal nachts kein Regen. Ergo, scheisswarm von Anfang bis Ende.
    Von Wassen bis Altdorf geht’s ja erstmal schön bergab, irgendwann mal auch an dieser Gotthardbasistunneldingensschutthalde. Soll da irgendwo der Eingang sein?
    Ab Altdorf dann wieder in der schön gemächlich hoch zum Klausen. Irgendwie müssen die Schweizer wohl auch einen milden Winter gehabt haben. Gab unglaublich viele blutsaugende Stechmücken. Bei dem Tempo, das wir gefahren sind, konnten die auch wunderbar auf der Wade landen und sich voll saugen. Weiss jetzt warum der Ulle Blut tanken musste.

    warmrd5.th.jpg

    hotelklausenso6.th.jpg

    Abfahrt

    streetat0.th.jpg

    Mann, welch ein Prachtexemplar:

    kuhvw3.th.jpg

    Na ja, müssten auch so um die 70 – 80 Kilometer gewesen sein bis Schwanden. Der Urnerboden, den finde ich echt klasse.
    Kann jedem empfehlen da mal hinzugehen. Aber Vorsicht, Scheisse gibt’s auf den Strassen wahrlich genug.

    5. Tag Schwanden – Niederurnen – Walensee – Sargans – Buchs – mit dem Zug nach Hause.

    Regenetappe. War aber nach den heissen Tagen eine echt willkommene Abwechslung. Ich habe in den letzten Jahren meine
    Regenklamotten immer umsonst rumgefahren. Diesmal konnte ich sie wenigstens einmal gebrauchen. Der Walensee war ja dann noch einigermassen interessant, ab Sargans fährt man dann allerdings immer auf dem Rheindamm entlang. Ja, also neben einem plätschert der Rhein und vom Himmel hoch kommts Wasser auch runter und klatscht auf den Helm, da haben wir es doch wieder vorgezogen, die Schweizer Bahn zu bemühen. In Buchs war dann Schluss.

    velocebewlktfn1.th.jpg

    Insgesamt warens ca. 420 Kilometer und 4.300 Höhenmeter. Soviel kann ich dem Tacho an Daten entlocken.
    Und jetzt bin ich seit Tagen erstmal vollkommen im Eimer.
    Blut is auch keines in der Gefriere, werde ich wohl sportlich erstmal kürzer treten.


    pompa pneumatica

    #653816
    Kanarienvogel
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    Viva Veloce!!!

    Hättest Pytti besuchen sollen!


    Leitplanke

    #653817
    ADLOAL
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    Respekt schöne Tour , du hättest dich melden können , wenn du schon bei mir vorbei fährst .


    Und Gilbert ist doch kein ewiges Talent!

    #653818
    Veloce stanco
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    Wo wohnt den Pythagoras? Münsingen?

    Durch Bern sind wir durchgeflüchtet, zu viel Verkehr.
    Mächtig Trubel in der Stadt.
    Wohnst direkt in Bern, ADLOAL?


    pompa pneumatica

    #653819
    ADLOAL
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    Ich habe lange Zeit in Bern gelebt , wohne jetzt aber in Interlaken .


    Und Gilbert ist doch kein ewiges Talent!

    #653820
    Kaervek
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    Schöne Tour und Photos, Veloce. Warum ist bei mir nie so schönes Wetter, wenn ich auf dem Susten bin? ;(

    Ich habe dann auch mal niedergeschrieben, was ich vor 4 Wochen in der Schweiz erlebte.

    Mittwoch, 6.6.2007
    Endlich wieder in den Bergen, in den richtigen Bergen; endlich wieder in Andermatt. Seit meinem ersten Besuch vor 4 Jahren, besuchte ich jedes Jahr dieses pittoreske Bergdorf, wenn auch einmal nur bei der Durchreise und letztes Jahr nur für das Alpenbrevet.
    Ursprünglich war ein längerer Urlaub geplant. Da aber das Wetter nicht sehr beständig war und es sich herausgestellt hatte, dass ich im weiteren Verlauf des Sommers nochmals in die Berge fahren könne, verkürzte ich den Urlaub. Übrig blieben die drei schwierigsten Touren und eine neue „Erfahrung“.
    Ich hatte gerade meine Sachen ausgepackt, als es anfing zu regnen. Der erste Stimmungsdämpfer. Mutig nutzte ich die erste Regenpause für die geplante kurze Auffahrt. Einmal hoch zum Oberalppass. Etwa 10km Anstieg bei 600hm stellten keine großen Probleme dar. Im Wissen der Aufgaben der nächsten Tage fuhr ich ruhig. Erstaunlicherweise war die Straße nahezu verkehrsfrei. Oben schnell ein Photo gemacht und umgedreht.

    p6060001kw9.th.jpg

    Den ganzen abend über regnete es kräftig, so dass ich froh war meine Runde im trockenen absolviert zu haben.


    Ich bin der Erstnick vom Ventil!!!

    #653821
    Kaervek
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    Donnerstag, 7.6.2007
    Die Wettervorhersage lautete für alle Tage gleich: im Laufe des Tages Quellwolkenbildung und ab nachmittag teils kräftige Gewitter möglich. Also entschied ich mich meine Touren in der geplanten Reihenfolge zu fahren und auf gnädiges Wetter zu hoffen.
    Der Weg führte mich zunächst zum Furkapass, einem meiner Lieblingspässe; wobei fast alle dortigen Pässe beinahe als meine Lieblingspässe bezeichnet werden können. Besonders den unteren Teil des Furka mag ich.

    p6070005jj6.th.jpg

    Die Steilheit ist nicht zu unterschätzen. Unnachgiebig zwischen 7 und 10% sind auf die Dauer für einen Flachlandfahrer wie mich ungewohnt. Ich hatte Spaß und freute mich, dass oben noch ein wenig Schnee rumlag.

    p6070009hs4.th.jpg

    Kurz den Talkessel von Gletsch betrachtet – eine meiner Lieblingsplätze der Alpen – und die Abfahrt bis nach Gletsch in Angriff genommen. In Gletsch stand dann die erste Verpflegung an. Der Tag sollte noch lang werden und Essen ist wichtig. Allzu lang hielt ich mich damit aber nicht auf und wenig später erklomm ich über viele Serpentinen den steilen Hang zum Grimselpass.

    p6070013mk8.th.jpg

    Der Grimselsee sah deutlich anders

    p6070014cs0.th.jpg

    aus als bei meinem Besuch vor 4 Jahren

    totesee1nt8.th.jpg

    Es folgte die Enttäuschung, dass die Auffahrt zum Oberaarsee gesperrt war, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Wenigstens ersparte ich mir so 350hm auf der doch recht schweren Tour. Wenigstens schien für die folgende Abfahrt die Sonne hervorzukommen.

    p6070016uq9.th.jpg

    Die Abfahrt vom Grimsel nach Innertkirchen ist schon geil. Man fährt nahezu endlos bergab, die Straße ist breit und in gutem Zustand. Besonders interessant ist der Tunnel mit dem steilsten Stück, in dem man sich an den Bodenmarkierungen orientiert. Wäre nicht das langsame Auto vor mir gewesen, hätte ich dort die 90km/h knacken können.
    In Innertkirchen war wieder was Essen angesagt. Es war angenehm warm und ich hatte keine große Eile. Immerhin stand nun der längste Pass des Tages auf dem Programm, der Sustenpass. Ich finde ihn von dieser Seite sehr schön, da sich sehr oft die Ausblicke ändern. Mit seinen fast 30km ist er zwar lang, aber die Höhenmeter verteilen sich gut und es wird nie steil. Das Störendste war mittlerweile die Sonne, die mich ziemlich schwitzen ließ. Es war jedoch auszuhalten und genug zu trinken habe ich früher schon gelernt. Je höher ich kam, desto mehr machten mir die Wolen sorgen, die sich über dem Pass und dahinter bildeten. Da mir nichts anderes übrigblieb, um wieder zum Hotel zu kommen fuhr ich weiter. Nun machten sich aber auch noch die Strapazen des Tages bemerkbar. An einen Einbruch wollte ich zunächst nicht glauben, da ich den ganzen Tag über gemäßigtes Tempo gefahren war. Deshalb erhöhte ich mein Tempo auch leicht, als mich ein anderer Radler überholte. Anscheinend gab mir das den Rest. Die letzten etwa 250hm waren ein ziemliches Gewürge, für das die Landschaft noch entschädigen konnte; Ausblicke wurden nun als willkommene Gelegenheit genutzt, um Photos zu machen.

    p6070025cw4.th.jpg

    Während ich an der Passhöhe war, zogen immer mehr Wolken rein und ich begab mich schnell in die Abfahrt. In der Mitte dieser begann es dann zu regnen. Während ins Gesicht fliegende Regentropfen bei 60km/h unangenehm sind, sind (kleine) Hagelkörner sehr unangenehm. Ich hielt an, um mir die Regenjacke überzuziehen und dem Rucksack die Regenhülle. Insgesamt war der Regen nicht sehr ausgiebig, so dass ich recht trocken unten ankam. Ab Göschenen war’s dann endgültig trocken und die Sonne schaute auch mal wieder hervor.
    Nun fuhr ich zum ersten Mal mit dem Fahrrad aufwärts durch die Schöllenenschlucht. Es war nicht so viel Verkehr, deshalb war’s ganz gut zu erledigen. Ich hatte mich etwas erholt, so dass es mir nicht mehr ganz so schwer viel. Am Ende des Tages standen immerhin 120km und 3500hm auf dem Tacho.



    Freitag, 8.6.2007
    Der Ruhetag stand an, d.h. eine kurze Tour. Etwas neues musste her und somit fuhr ich mit dem Auto bis ins Berner Oberland. Kurz vor Grindelwald fand ich einen kostenfreien Parkplatz und es konnte losgehen. Sowohl ich auf dem Fahrrad als auch der Regen. Ich überlegte umzudrehen, aber in solchen Momenten siegen die Gefühle und ich fuhr weiter. Bergauf stört Regen ja sowieso nicht und bis man wieder runterfahren muss, hat er vielleicht aufgehört. Also schnell wieder die Regenjacke übergezogen und schon begann der Anstieg zum Männlichen. Dieser ist zwar kein Pass, aber wunderschön: schmale Straße, steil, tolle Ausblicke. Wenn der Talkessel von Gletsch schon unbeschreiblich ist, so ist der von Grindelwald nicht von dieser Welt. Wegen des Wetter hingen leider viele Wolken an den umliegenden Bergen, die die Aussicht stark trübten. Wenigstens ab und zu zeigte der Eiger Teile seiner Nordwand.
    Bei einem längeren Urlaub wäre ich diesen Anstieg in Verbindung mit der Großen Scheidegg gefahren. Da ich diese schon mal gefahren bin und mein Programm für den verkürzten Urlaub schon schwer genug war, beschränkte ich mich nun aber auf den Männlichen. Dieser Anstieg hat es auch schon genug in sich. Anfangs manchmal über 10%, meist zwischen 8 und 10%, kurzzeitig auch mal weniger. Der Regen hörte auf und das Wetter wurde langsam besser, während ich so hochkletterte. Das dicke Ende sollte jedoch noch kommen. Nach einem längeren Flachstück stand der Schlussteil bevor. Ein steiler Wiesenhang an dem irgendwie sich der Weg hochwand. Nun waren es durchgängig über 10% Steigung. Da musste ich schon etwas kämpfen und es ging gerade so, dass es nicht in Gewürge ausartete. Dass ich dabei zwei Moutainbiker überholen konnte, hob‘ die Laune.
    Oben zogen ein paar Wolken über den Grat aus dem Nachbartal. Damit war auch leider der Blick in dieses versperrt; dort hing die Wolkensuppe. Somit schnell noch ein Photo machen lassen

    p6080038di8.th.jpg

    und ab zurück nach Grindelwald, wo das Wetter besser und besser wurde. Deshalb hielt ich auf der Abfahrt mehrmals an und machte weitere Photos, die nun alles besser zu erkennen war als auf dem Hinweg. Die Wolken waren nun weniger und nicht mehr so grau.

    p6080039uj2.th.jpg

    p6080040ez2.th.jpg

    Unten kam mir kurz der Gedanke doch noch „mal eben“ zur Großen Scheidegg hochzufahren. Doch die Vernunft siegte und ich machte mich auf den Rückweg nach Andermatt; der lange Weg ins Berner Oberland hatte sich auf jeden Fall gelohnt.


    Ich bin der Erstnick vom Ventil!!!

    #653822
    Kaervek
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    Samstag, 9.6.2007
    Der Tag der Königsetappe; die Runde, die mir der Schnee beim Alpenbrevet verwehrte, heute musste sie dran glauben. Ein bischen Zweifel beim Losfahren existierten schon; es gab aber die Möglichkeit an einer Stelle die Tour abzukürzen, falls es sein musste.
    Zunächst führte die Tour entgegengesetzt der Runde von zwei Tage zuvor. Die Schöllenenschlucht runter ist immer gut zum einfahren, dann der Susten. Von dieser Seite vielleicht etwas eintönig – dabei immer sehr schön – aber gut zu fahren. Zwar gibt es kaum Möglichkeiten es rollen zu lassen, aber es ist nicht supersteil. So kam ich gut hoch und diesmal war oben das Wetter besser, wenn auch weiterhin wolkig.

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    Die Abfahrt machte ob ihrer länger und schöner Kurven natürlich viel Spaß. Nach der obligatorischen Pause in Innertkirchen ging es Richtung Grimselpass. Der Anstieg, der auf der Abfahrt soviel Spaß gemacht hat. Bergauf ist die Strecke irgendwie anspruchsvoller und es dauert auch länger sie zu bewältigen. Weiterhin kam ich ganz gut voran. Ab dem steilsten Stück zum ersten Stausee hoch wurde es dann doch etwas schwerer. Weiterhin kontrolliert fahrend, wissend was noch auf mich zukommen sollte, pedalierte ich den Pass nach oben. Die Pause viel recht kurz aus, auch weil es ohne Sonnenschein nicht so warm war, und ich stürzte mich in die Abfahrt bis nach Ulrichen an den Fuss des Nufenenpasses. Dabei kam in Gletsch kein ernsthafter Gedanke auf, Richtung Furkapass abzubiegen und die Tour zu verkürzen. Nachdem ich in Ulrichen einen Brunnen gefunden hatte, gab’s hier eine längere Pause.
    Schließlich musste ich aber doch weiter Richtung Nufenenpass, den anspruchsvollsten Pass des Tages. Durchschnittlich über 8% bei über 1000hm sind sicher kein Klacks. Zudem zog eine äußerst dunkle Wolke in das langgezogene Tal. Und so fing es kurze Zeit später auch an zu regnen. Nicht sehr viel und nicht sehr lange zum Glück. Wie ich an der noch über lange Zeit nassen Straße ablas, wäre ich deutlich nasser geworden, wäre ich schneller unterwegs gewesen. Je weiter ich nach oben kam, desto schwerfälliger wurde mein Tritt. Neben der Steigung tat die Höhe von über 2000m üNN ihr übriges. Wie fast immer entschädigte mich die tolle Gebirgslandschaft, die ich so liebe.

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    Auch Schnee hatte es hier oben noch.

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    Schließlich war ich oben. Leider waren die Berge des Alpenhauptkammes in Wolken, so dass die Passhöhe nicht so atemberaubend war, wie ich sie 4 Jahre zuvor erlebte. Netterweise war das Wetter für die folgende Abfahrt ganz passabel. Wegen ihrer teilweise endlos scheinenden Geraden ist diese gut zum rasen und üben aerodynamischer Positionen geeignet. Leider ist auch dieses Vergnügen irgendwann vorbei. In Airolo, am Fuße des Gotthardpasses legte ich die letzte längere Pause des Tages ein.
    Zum Glück ist dieser Anstieg nicht der allerschwerste und so war ich zuversichtlich auch diesen noch mit Anstand bewältigen zu können. Einzig die sehr nach Regen aussehenden Wolken trübten die Laune ein wenig. Der meiste Teil der Südseite verläuft über Kopfsteinpflaster; zumindest auf der alten Straße, die ich natürlich der wenig schönen neuen Straße vorzog. Dieses Kopfsteinpflaster ist jedoch nicht sehr grob und bei dem langsamen Tempo kein Problem. Der erste Teil des Passes ist noch verhältnismäßig langweilig, auch wenn es einige schöne Blicke auf Airolo und die Leventina gibt. Dann aber bog ich ab ins Val Tremola, ein Highlight aller Alpenstraßen. Leider hingen hier dichte Wolken, die den Hang entlangwaberten. Auch regnete es leicht von hier bis zur Passhöhe; das war erträglich und störte mich kaum. Im Gegenteil schien mich die tolle Straße zu beflügeln und ich kurbelte fast schon locker die vielen Serpentinen hoch.

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    Der letzte Kilometer war dann nochmal etwas schwieriger, da ich das von vor 4 Jahren noch wusste, ging auch dieser vorüber.
    Ich hatte etwas Sorgen, dass es auf der anderen Seite regnen könnte. Da wegen der Wolken nichts zu erkennen war, zog ich vorsichtshalber die Regenkleidung und Beinlinge gleich an. Meine Sorgen waren unbegründet und es klarte gleich zu Beginn der wahrlich rasenden Abfahrt auf.
    Damit hatte ich die 162km und 4950hm geschafft. Nach dem Ötztaler Radmarathon im letzten Jahr die zweitmeisten Höhenmeter an einem Tag für mich. Ok, ich gebe zu, es nicht nur mit Wasser und Nudeln geschafft zu haben. Ein gut gefüllter Beutel mit Blut ist für so eine Tour durchaus hilfreich.

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    Ich bin der Erstnick vom Ventil!!!

    #653823
    Kaervek
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    Sonntag, 10.6.2007
    Da war nun der letzte Tag des Urlaubs. Verglichen mit dem vorangegangenen Tag stand eine einfache Tour an; wirklich einfach war sie natürlich nicht. Diesmal ging es in Gegenrichtung zum Vortag los. Die Gotthardnordseite ist sicher nicht die Erfüllung jedes Pässeradlers, doch auch sie bietet einige schöne Momente.

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    Zu Beginn der Abfahrt konnte ich endlich mal einen kompletten Blick auf die Tremola werfen. Aus dieser Perspektive offenbart sich ihre ganze Pracht.

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    Was ich nun endgültig weiß ist, dass ich nächstes Mal eine Ausfahrt länger auf der neuen Straße vom Gotthard abfahre. Zum einen ist diese zum Abfahren gut geeignet, zum anderen ist das Kopfsteinpflaster über das man ab Motta Bartolo fahren muss, wenig Rennrad geeignet. Das ist ein echter Materialtest, in das man einiges Vertrauen haben sollte.
    Ich hatte ein paar Sorgen wegen dem nun folgenden Nufenenpass, denn auch von dieser Seite ist er (im oberen Teil) unnachlässig steil. Der recht flache erste Teil ging noch gut, aber weiter oben verließ mich wie erwartet die Kraft. Natürlich waren das hauptsächlich die Belastungen der Vortage, die sich nun bemerkbar machten. Ich machte ein paar Pausen, denn warum sollten diese letzten Pässe des Urlaubs noch mal zur Qual werden? Es war ja schließlich kein Rennen. Trotzdem musste ich mir eingestehen, dass sich ein wenig das Gefühl breitmachte, dass es nun genug war mit Fahrrad- und Pässefahren.
    Irgendwann war ich dann aber doch oben auf 2478m üNN, wo ich nicht mal 24h vorher schonmal stand. Sah ich am Vortag an der Passhöhe ein weiteres Fahrrad, dass mit Ksyrium-Laufrädern ausgestattet war, standen hier diesmal 6 weitere Fahrräder, auch alle mit Ksyriums verschiedener Sorten; ich fahre ebenfalls welche. Diese Laufrädern scheinen die Laufräder der Wahl für den Nufenenpass zu sein; warum auch immer.
    Die Abfahrt machte wie immer Spaß und in Ulrichen machte ich am gleichen Brunnen Pause wie am Vortag. Es stand der letzte Pass des Tages und des Urlaubes an: der Furkapass. Das waren nochmal gut 1000hm, am Anfang moderat steigend.
    Den steileren Abschnitt nach Gletsch brachte ich hinter mich und legte mal wieder eine Pause ein. Immernoch waren 700hm zu fahren und die Passhöhe schon sichtbar. Jetzt wäre ich gerne schon am Hotel gewesen. Entsprechend langsam gingen die nächsten Kilometer um, wenigstens war die Steigung mit 6% erträglich. Ich nutzte die Gelegenheit, um nochmal die Straße zum Grimselpass, der heute nicht auf dem Programm stand,

    p6100093hm0.th.jpg

    und die mir noch bevorstehenden Serpentinen mit dem Rhonegletscher zu photographieren.

    p6100094gv6.th.jpg

    Zu Beginn der Serpentinen dann die letzte Pause, vor allem der Kopf wollte nicht mehr. Was nun folgte, war ein bischen erstaunlich. Auf einmal kreisten die Beine wieder flüssiger. Tempo und Puls stiegen und selbst das fiese Stück mit 14% war kein großes Problem. Ich war deutlich schneller als erwartet. Auch wenn es kein wirklich hohes Tempo war, war ich doch den gesamten Urlaub vorher nie in diesem Intensitätsbereich unterwegs gewesen, außer vielleicht am Männlichen. So ging auch diese letzte Rampe schneller vorbei, vor allem machte sie unerwarteterweise nochmal richtig Spaß. Es war schon motivierend nach den harten Tagen auf den letzten Metern noch mal etwas zulegen zu können.
    Die Abfahrt vom Furkapass wurde ein wenig durch die lahmen Autos beeinträchtigt. Die letzten flachen Kilometern zwischen Realp und Hospenthal gab’s dann nochmal kräftigen Gegenwind. Aber auch das ging vorbei und ich erreichte geschafft, jedoch zufrieden mein Hotel.



    Fazit
    Zunächst einmal muss ich meine Streckenplanung hervorheben. Die fünf im Norden, Süden und Westen von Andermatt gelegenen Pässe liegen in Form einer acht und lassen sich zu drei Runden verbinden; zwei mit 3-Pässen, und die große Runde mit 4 Pässen. Ich bin diese drei Runden gefahren, womit ich jeden dieser Pässe genau zweimal erklommen haben, jeden von beiden ihrer Seiten. Die beiden „kleinen“ Runden war ich schon vor 4 Jahren gefahren, allerdings in umgekehrter Richtung. Zudem war ich noch am Männlichen, den ich noch nicht gekannt hatte, dessen Befahrung aber sehr lohnte.
    Insgesamt 448km und 13542hm an fünf Tagen sind ordentlich. Ohne die kurze Tour am Anreisetag waren es sogar 426km und 12934hm in vier Tagen. Ein wenig stolz das geschafft zu haben – und es auch gut überstanden zu haben – bin ich schon. Die Alpen sind für mich nicht für einen Wochenendausflug zu erreichen. Wenn ich mal dort bin, kann ich kaum anders als so viel zu fahren wie möglich; das ist nunmal so. Auch freut es mich, dass ich die Pässe eher gemütlich fahren konnte – wenn auch nicht GA1 – was mehr Möglichkeiten zum Genießen gab.
    Mit dem Wetter hatte ich auch Glück. Ein paar Mal hat es leicht geregnet, oft sah es sehr bedrohlich aus, jedoch erwischte es mich nie schlimm. In diesen Tagen waren an anderen Orten der Schweiz zum Teil schwere Gewitter. Die Wolken verdeckten zwar oft schöne Ausblicke, aber wenigstens milderten sie zum Teil die Hitze, was das Fahren erleichterte.
    Ja, ich liebe Berge mit ihren Pässen, ich liebe die Alpen, besonders die der Schweiz.


    Ich bin der Erstnick vom Ventil!!!

    #653824
    ADLOAL
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    • Kapitän
    • ★★★★★★★★

    Gratuliere , starke Leistung und ein schöner Bericht .

    So wie es tönt hat dir der Männlichen gefallen , für mich einer der schönsten Anstiege in der Gegend .


    Und Gilbert ist doch kein ewiges Talent!

    #653825
    Veloce stanco
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    Forza Kaervek!!

    Du bist süchtig.
    Das geht nicht mehr weg :D

    Und wenns dumm läuft, fährst auch noch in meinem Alter durchs Gestein. Ich habe auch noch nicht abgeschlossen.

    Mal schauen wann Spiegelkiller Rücup seinen Bericht hier reinstellt.


    pompa pneumatica

    #653826
    RüCup
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    das wird frühestens am 10./11. august soweit sein. bin vom 2.8 – 9.8 in frankreich in den alpen. aber dann auch schön ausführlich mit fotos, versprochen !

    #653827
    enfant terrible
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    Die letzten Jahre habe ich eigentlich auch immer 1 mal im Jahr ne Tour hinbekommen. Letztes Jahr von Usedom nach Bremen. Leider fehlt mir dieses Jahr der richtige Partner bzw, Opfer X(


    „Ich werd aus dir nicht schlau, erst willst du das Eine und dann… willst du wieder das Selbe.“

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