Die 5 Monumente des Radsports


Die 5 Monumente des Radsports

Bycicle RaceAls Highlights im UCI World Tour Kalender gelten alljährlich natürlich die drei Grand Tours – allem voran die Tour de France. Doch liebt und schätzt jeder echte Radsportfan auch die unmittelbare Renndynamik, wie sie nur Eintagesrennen bieten können. Während sich bei Etappenrennen die Favoriten kalkuliert in vielen Etappen zurückhalten, um im Zeitfahren oder bei Bergankünften anzugreifen, so gibt es derartiges Taktieren bei einem Eintagesrennen einfach nicht. 

Wer gewinnen will, muss Gas geben. Und zwar wann und wo es der kaum berechenbare Rennverlauf vorgibt. Einen unangefochtenen Stellenwert nehmen dabei die echten Klassiker, die 5 Monumente des Radsports, ein.

 

1. Milan-San Remo

  • Streckenlänge: 306 Kilometer
  • Streckenprofil: Flach mit einem Anstieg in der Mitte und mehreren Hügeln zum Ende, meist flaches Finish
  • Erstmals ausgetragen: 1907
  • Rekordgewinner: Eddy Merckx (7 Siege)


Unter den 5 Monumenten ist Milan-San Remo das nach Distanz längste Eintagesrennen und kommt bereits früh im Rennkalender. Somit stellt Milan-San Remo einen echten Belastungstest dar. Typischerweise liefern sich formstarke Sprinter und Ausreißer mit Puncher Qualitäten hier den Kampf um den Rennsieg. Meist läuft das Rennen auf ein Tauziehen zwischen späten Ausreißern und den Teams der Sprinter hinaus, die eine Sprintankunft forcieren wollen. Dadurch gilt Milan-San Remo als
Sprinter-Klassiker.

 

Meist läuft es auf eine Sprintankunft hinaus. Aber es gab durchaus auch schon Ausreißer, die noch die Körner hatten, um an einem späten Hügelanstieg anzugreifen und einen Vorsprung herauszufahren, um diesen bis ins Ziel zu verteidigen. Fahrer, denen dies gelang waren unter anderem Sean Kelly, Vincenzo Nibali und Laurent Jalabert. Doch meist lief es auf einen Sprinter hinaus, wobei es weniger die schnellsten Sprinter sondern viel mehr die leidensfähigen sind, die auf dieser langen Strecke noch auf den letzten Metern den nötigen zweiten Wind haben. Deutschlands Vorzeige-Sprinter Erik Zabel war viermal bei Milan-San Remo siegreich.

 

2. Flandern-Rundfahrt

  • Streckenlänge: 265 Kilometer
  • Streckenprofil: Hügelig mit vielen schmalen Kopfsteinpflaster-Passagen
  • Erstmals ausgetragen: 1913
  • Rekordgewinner: Achiel Buysse, Fiorenzo Magni, Eric Leman, Johan Museeuw, Tom Boonen, Fabian Cancellara (jeweils 3 Siege)

 

Unter den 5 Monumenten ist die Flandern-Rundfahrt wohl das volatilste Rennen, weil es taktisch schwierig zu fahren ist und weil selbst kleine Pannen einen Favoriten im Rennverlauf unrettbar zurückfallen lassen können. Das lässt sich auch an der Tatsache ablesen, dass es selbst keinem der vergleichsweise zahlreichen Rekordgewinner gelang, das Rennen mehr als dreimal zu gewinnen. Markenzeichen des Rennens sind die steil aufsteigenden Kopfsteinpflaster-Gassen, die von zahlreichen Zuschauern gesäumt werden und so insbesondere zum Ende hin die Strecke in einen Hexenkessel verwandeln.

 

Der Streckenverlauf wird immer wieder von sehr schmalen, oftmals gepflasterten Abschnitten und Aufstiegen durchzogen, wodurch das Fahrerfeld in diesen immer wiederkehrenden Teilabschnitten massiv in die Länge gezogen wird. Dadurch entbrennt im Fahrerfeld schon früh ein Kampf darum, sich möglichst weit vorne zu positionieren. Hinzu kommt das unberechenbare Aprilwetter, welches das tückische Kopfsteinpflaster noch schlüpfriger machen kann. Ruldi Altig (1964) und Steffen Wesemann (2004) sind die bislang einzigen deutsche Radrennfahrer, die bei der Flandern-Rundfahrt siegen konnten.

 

3. Paris-Roubaix

  • Streckenlänge: 257 Kilometer
  • Streckenprofil: Flach mit extrem groben Kopfsteinpflaster-Abschnitten; Zieleinfahrt im Velodrom von Roubaix
  • Erstmals ausgetragen: 1896
  • Rekordgewinner: Roger De Vlaeminck, Tom Boonen (4 Siege)

 

Paris-Roubaix mag zwar nicht dieselben Anstiege wie die Flandern-Rundfahrt aufweisen. Aber dafür sind die Kopfsteinpflaster-Abschnitte umso unnachgiebiger. Denn während die meisten Kopfsteinpflaster-Passagen bei der Flandern-Rundfahrt solche sind, die noch regelmäßig von Autos befahren und entsprechend gewartet werden, entsprechen die Kopfsteinpflaster-Passagen bei Paris-Roubaix eher einem gepflasterten Feldweg. Sie sind sehr grob und darauf ein gewisses Maß an Traktion zu bewahren, ist wahrlich eine Schwierigkeit. Zumal auch hier das Frühjahreswetter die ohnehin schweren Bedingungen noch weiter verschärfen kann.

 

Dadurch steht Paris-Roubaix, ähnlich der Flandern-Rundfahrt, in dem Ruf, ein sehr volatiles Rennen zu sein. Es gibt selbst Abschnitte, in denen die Strecke Bahngleise kreuzt. Wenn sich dort die Schranken senken, haben die Fahrer davor eben Pech gehabt und müssen warten. Diese Volatilität hat dafür gesorgt, dass manche große Fahrer Paris-Roubaix eher abweisend gegenüberstanden. Darunter ausgerechnet die beiden wohl größten Radsport-Ikonen Frankreichs, Jacques Anquetil und Bernrad Hinault. Anquetil bezeichnete Paris-Roubaix gar als „Lotterie“. Erster Gewinner dieser Lotterie war übrigens Deutschlands Josef Fischer (1896).

 

4. Lüttich-Bastogne-Lüttich

  • Streckenlänge: 255 Kilometer
  • Streckenprofil: Zunächst flach, in der zweiten Hälfte von steilen Hügeln durchzogen
  • Erstmals ausgetragen: 1892
  • Rekordgewinner: Eddy Merckx (5 Siege)

 

Was die reine Physis anbelangt, gilt dieses älteste aller Radrennen im UCI World Tour Kalender als eines der härtesten. Grund sind die zum Teil extrem steilen Hügelanstiege, die in der zweiten Hälfte des Rennens dicht an dicht folgen. Diese sind zwar nicht besonders lang, können aber stellenweise Gradienten von über 20% Steigung erzielen. Dadurch wird das Rennen im weiteren Verlauf immer mehr zu einer Abnutzungsschlacht. Krafteinteilung und taktische Voraussicht sind also extrem wichtig. Eine über-optimistische Attacke oder das Verpassen eines gut getimten Angriffs der Konkurrenz kann hier bereits alles verspielen!

 

Lüttich-Bastogne-Lüttich gilt als ein Rennen, das echte Allrounder Qualitäten fordert. Ausdauer, taktisches Verständnis, Timing und Antrittsstärke selbst im Angesicht von Erschöpfung sowie ein guter Punch an den steilen Anstiegen sind allesamt wichtig. Bislang konnten mit Hermann Buse (1930) und Didi Thurau (1979) erst zwei deutsche Radsportler bei diesem altehrwürdigen Belastungstest siegreich sein.

 

5. Giro di Lombardia

  • Streckenlänge: 240 Kilometer
  • Streckenprofil: Oftmals vier bis sechs signifikante Anstiege, dadurch fast wie eine Bergetappe; das Finish ist jedoch flach
  • Erstmals ausgetragen: 1905
  • Rekordgewinner: Fausto Coppi (5 Siege)

 

Als einziges der 5 Monumente findet der Giro di Lombardia bzw. Il Lombardia im Herbst und nicht im Frühling statt. Daher hat er auch den Spitznamen „Klassiker der fallenden Blätter“. Während Milan-San Remo als Klassiker der Sprinter zählt, kommt Il Lombardia eher den Kletterern entgegen. Denn hier ist das Streckenprofil nicht nur hügelig sondern durchaus bergig, wie man es von einer Bergetappe in einer Landesrundfahrt kennt. Allerdings ist das Finish in aller Regel immer eine Ankunft im Flachen nach einer Abfahrt.

 

Durch dieses Streckenprofil kommt Il Lombardia auch klassischen Klassement-Fahrern entgegen, die sonst eher bei den Grand Tours um den Sieg fahren. Markenzeichen des Rennens ist der alljährlich inkludierte Aufstieg zur Madonna del Ghisallo. Diese Kleine Kirche auf dem Gipfel eines kleinen aber steilen Berges am Como See ist gewissermaßen ein Wallfahrtsort des Radsports und wird auch regelmäßig im Rennverlauf des Giro d‘italia angefahren. Die Madonna del Ghisallo gilt gar als Schutzpatronin der Radfahrer. Il Lombardia ist das einzige der 5 Monumente, das noch nie eine Deutscher für sich entscheiden konnte.

 

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