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  • als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651919
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      ich würds mal so ausdrücken: Erst wenn die Zuschauerzahlen und die Einschaltquoten massiv nach unten gehen, die Medien keinen Radsport mehr übertragen, die Öffentlichkeit das Interesse an den rollenden Apotheken verliert, die Sponsoren keine Kohle mehr rüberrücken, erst dann werden die Radprofis begreifen, dass man gelbe Trikots nicht essen kann.

      Ich bin mir sicher: das wird nicht passieren. Sicher gibt es Leute wie Dich, die sich abwenden. Ich respektiere das auch. Genauso wünsche ich aber Respekt für Leute wie mich, die „Brot und Spiele“ a la Tour, Giro, Flandern, Roubaix etc. weiter sehen wollen. Und davon wird es immer genug geben, die momentane Begeisterung bei der Tour unterstreicht das…

      Und ein Wort zu den Medien: Scheinheilige Bande, sonst gar nichts. In Wirklichkeit jubeln die über die Doping-Geschichten, denn die bringen Quote. Ein sauberer Radsport wäre für die uninteressant, wo könnten denn die Journalisten-Gutmenschen dann ihre hehre Moral und unerträgliche Betroffenheit zur Schau stellen…

      Empfehle dazu das Lied von Reinhard Mey: „Was in der Zeitung steht…“

      Gruß

      Karl-Heinz

      als Antwort auf: Radsport am Ende ? Was nun ? #653997
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        Momentan betrachten wir die Tour, und die Situation dort mit der im Radsport allgemein gleichzusetzen halte ich für sinnfrei.

        Stefu, das sehe ich schon anders. Erstens weil die Tour als größtes Radsport-Event ganz sicher ein Gradmesser ist. Zweitens: Wir hatten ungebrochen Begeisterung beim Giro, es gab Menschenmassen wie immer auch bei den Klassikern. Letztes Jahr war ich live bei der WM in Salzburg an der Strecke, es war eine phantastische, ungetrübte Stimmung… Der Erfolg einer Sportart wird in der Endkonsequenz vom Zuschauerinteresse bestimmt. Und das ist ganz offensichtlich groß wie immer.

        Quote:
        Ich glaube nämlich nicht das die wahren Fans da am Galibier stehen werden und bejubeln wie Team Astana die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.

        Lassen wir uns mal überraschen! Ich glaube, dass gerade die Hardcore-Fans nicht so reagieren werden. Auch hier kann ich von der Wm nur sagen, dass ich mit mehreren anderen Zuschauern geredet habe, und allen war die Doping-Geschichte egal. Der Tenor war, man solle Fahrer und Radsport endlich mal in RUhe lassen.
        Natürlich könnte es sein, dass z.B. ein Extrem-Fan von, sagen wir mal, Moreau schimpft, wenn Vino vorbeikommt. Aber das wäre auch ohne Doping so. Schalke-Fans beschimpfen nun mal die Bayern. Oder als ich mal in Monza beim Grand Prix war: Natürlich haben wir Ferrari-Fans den McLaren nicht zugejubelt. Das wäre am Galibier auch möglich, wird aber allenfalls eine Seltenheit bleiben und hätte IMHO mit Doping nichts zu tun.

        Gruß

        KArl-Heinz

        P.S.: Nebenbei bermerkt halte ich, obwohl kein Fan von Astana, das Kesseltreiben gegen dieses Team für ungeheuerlich. Und auch noch nebenbei: Es würde in der momentanen Gemütslage der Journalistenzunft ohnehin jeden treffen, der ein echter Sieganwärter ist.

        als Antwort auf: Radsport am Ende ? Was nun ? #653992
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          Die Antwort auf die Grundfrage in diesem Thread wird eigentlich – und das ist das Schöne – auf der Strasse gegeben.

          England ist keine der großen Radsport-Nationen, aber es stehen Hunderttausende am Strassenrand. Und das trotz „Hamilton-Mania“ in Silverstone einerseits und Wimbledon andererseits.

          Den Radsport als tot erklären nur Politiker, Journalisten, Funktionäre und andere „Berufs-Gutmenschen“, auf der Strasse findet die wahre Abstimmung statt und deren Ergebnis ist eindeutigst. Der Radsport lebt!!!

          Sollen sie den Radsport ruhig von Olympia ausschliessen, was zählt sind die großen Rundfahrten, die Klassiker und die WM.

          Wie lange die (potentiellen) Sponsoren ihre Drohhaltung („Wir ziehen uns zurück…“) wohl durchhalten werden bei so viel Begeisterung am Strassenrand?

          Gruß

          Karl-Heinz

          als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651583
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            Ganz schwache. Etappe. Scheint ja doch nicht so toll zu sein der Zoncolan wenn Simoni dem Petacchi da nur 10 Minuten abnimmt.

            So kommentierte einer von uns die heutige Etappe.

            Schon seltsam: Einerseits regen sich manche auf über den Spitzensport, der nicht mehr ernstzunehmen sei, überzogen, überzüchtet, wrestling-nahe. Andererseits ist sogar ein Berg wie der Zoncolan nicht schwer und spektakulär genug.

            Karl-Heinz

            P.S.: Für mich war es wieder schön, die begeisterten Fan-Massen an der Strasse zu sehen. Mögen all die Schreibtischtäter in Redaktionen und Parteizentralen ihre Nachrufe schreiben, der Sport lebt…

            als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651559
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              @ Stahlross

              Das mit dem Elektromotor ist mir selbst eingefallen. Aber Deine Anspielung auf Österreich kann ich natürlich verstehen. Bei uns wird das Thema ja genauso scheinheilig diskutiert wie im Rest von Europa. Wobei die spezifisch österreichische Zutat unsere „Wir sind wir“-Mentalität ist. Man glaubt die anderen wären so blöd uns Unregelmäßigkeiten weder zuzutrauen geschweige denn sie zu bemerken. Legendär in seiner Dum heit ist inzwischen der Ausspruch des allmächtigen Präsidenten unseres Schiverbandes in Turin:“We are much to small to dope!“

              Dass Dir vor mir als Arzt graut sei Dir unbenommen, allerdings geböte es die Fairness (um die es Euch Doping-Gegnern ja in erster Linie immer geht, wie ihr nicht müde werdet zu behaupten), mich zuerst in meiner Arbeit direkt zu beobachten und dann ein solches Urteil zu fällen. Eine sehr selektive Fairness, die Du da vertrittst. Aber das kennzeichnet Eure Gruppe sowieso irgendwie: Ihr seid Ferndiagnostiker, aber das hält Euch nicht davon ab, über Radfahrer herzuziehen und sie abzuurteilen. Das kennzeichnet diese ganze Debatte. Menschen werden fertiggemacht als wären sie Schwerstverbrecher. Mit Verlaub: die wirklichen Schwerstverbrecher dieser Welt sitzen anderswo…

              Vielleicht noch zum Nachdenken ein Sprichwort: „Don´t judge anyone, unless you walk one day in his mokassins!“

              Karl-Heinz

              als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651554
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                • Wasserträger
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                Quote:
                oder auf Dauer mit legalisiertem Doping, dann aber unter der Rubrik Wrestling und andere Sinnestäuschungen.

                Dazu zwei Anmerkungen:

                Erstens:
                In all den Diskussionen wird Doping so dargestellt, als führen gedopte Radsportler mit einem kleinen Elektromotor im Fahrrad. Ich kann diese Darstellung nicht nachvollziehen. Denn unabhängig vom „Treibstoff“, die Leistung vollbringt immer der menschliche Körper. Ich sehe nicht ein, warum das weniger faszinierend sein soll. Und wer gestern in die Gesichter der Fahrer am letzten Anstieg geblickt hat, der hat gesehen, wie sie leiden. Sie leiden durch Doping vielleicht auf einem höheren Niveau, aber sie leiden nicht weniger. Ich sehe nicht, warum irgendjemand, der bequem zuhause im Warmen und Trockenen sitzt, das recht hätte, sie deswegen weniger zu respektieren, geschweige denn, sie als „moralisch verrottet“. Übrigens: Ist Frau Schenk je radgefahren, ich meine ausser zum Aldi um die Ecke ? (Ist eine ernstgemeinte Frage, da ich als Ösi nichts von ihr weiss)

                Zweitens:
                Sport ist Unterhaltung, wenn ihr so wollt, Show. Sportler sind, da wiederhole ich mich, die modernen Gladiatoren. Die Amerikaner haben das viel besser begriffen. Und trotzdem oder gerade deshalb, gibt es dort großartigen Sport, zum Beispiel in der NFL. Oder im Baseball. Oder derzeit wenn in der NHL um den Stanley-Cup gespielt wird. Es ist meiner Ansicht tendenziös immer nur das Wrestling als Beispiel heranzuziehen.

                Karl-Heinz

                als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651547
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                  Eines tröstet mich schon, wenn ich all die Scheinheiligkeit sehe: den Oberscheinheiligen geht es nur ums Geschäft.

                  Die Politiker sonnen sich liebend gern im Schatten der siegreichen Stars. Als z.B. Ullrich und Zabel siegten, da waren das für Scharping und Co. selbstverständlich DEUTSCHE Siege (so wie sich bei uns in Österreich auch die Regierung als Sieger sieht, wenn unsere Ski-Stars gewinnen). In solchen Momenten heißt es dann:“Wir kennen keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Ullrichs…“

                  Die Sponsoren machen das Sponsoring ja nicht aus Philanthropie oder Liebe zum Radsport. Der Rubel steht im Mittelpunkt. Werbung, Werbung, Werbung. Und das geht im Radsport so gut wie nirgends sonst. Denn Der FC Bayern hieß nie Opel Bayern. Ferrari wird nie Marlboro heißen. Aber das Team von Bob Stapleton heißt T-Mobile… Und die haben ihren Effekt sogar noch mehr, wenn es einen Dopingskandal gibt (siehe Festina)

                  Die Medien haben längst geschnallt, dass dieser Sport Quoten bringt. Wo Millionen an der Strecke stehen, da sitzen noch viel mehr vor dem Bildschirm. Und er verkauft sich genauso wunderbar, wenn es mal wieder über einen Skandal zu berichten gibt…

                  Die Veranstalter sind natürlich auch Geschäftsleute. Das kommt ja wunderbar heraus in dem ganzen Streit um die Pro-Tour. Prudhomme und Co. geht es im Endeffekt um das Geld…

                  Und zu guter Letzt die Funktionäre: Was würde von deren wohldotierten Posten und Pöstchen bleiben, wenn es keine Tour nd keine Klassiker mehr gibt, weil man den „versauten und verotteten“ Radsport abgeschafft hat, auf dass er unsere sonst ja so ethische und schöne Welt nicht länger beflecke…

                  UND DAHER (und deswegen finde ich das trostreich): All diese Heuchler werden viel reden und schimpfen, aber die lassen sich doch niemals das Geschäft entgehen. Da können Idioten und Idiotinnen wie Frau Schenk oder Herr Dankert sich noch so entrüsten, wenn es wirklich darauf ankommmt werden alle oben genannten Gruppen sich für das Geschäft entscheiden. Und daher wird es den radsport immer geben. Und noch dazu in etwa so, wie wir ihn kennen und lieben. Vielleicht fallen einige kleinere Rennen weg, aber das muß nicht von Nachteil sein.

                  Und genau das hat offensichtlich Riis kapiert, dass nämlich der Sport so ist, wie ihn die Summe all dieser Gruppen, die Gesellschaft also, mehrheitlich will. Deswegen finde ich ihn so unglaublich cool. Er ist den Heuchlern nicht zu Kreuz gekrochen, weil er weiß, dass die letztendlich alle die Hauptdarsteller, die Fahrer, brauchen…

                  Leid tun mir nur jene Fahrer, die (wie die sieben, die derzeit gestanden haben) die Zeche zahlen. Wenn also, die, die so lauthals fordern, dass die „Mauer des Schweigens“ endgültig bricht, die Fahrer, die sich outen, noch bestrafen, dann zeigt das nur, wie wenig sie verstehen wollen. Oder eigentlich nur, wie dumm, gefühl.- und skrupellos sie alle sind…

                  Karl-Heinz

                  als Antwort auf: Doping im Jahr 2007 #651539
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                    Ich habe mich ja ewig lange ncht mehr zu Wort gemeldet in der Doping-Diskussion, da ich meinen Standpunkt ja schon mehrmals klargelegt habe und ihn nicht gebetsmuehlenhaft wiederholen will.

                    Gestern gab es allerdings einen Artikel in RSN, geschrieben von einem gewissen Karl Heidegger, der die Einstellung der italienischen Fans zum Radsport schildert. Er spricht mir aus vollem (Radsport-Fan)-Herzen.

                    Zitat:
                    Allein wegen Pantanis Geschichte wuerde in Italien auch niemand bestreiten, dass der Radsport ein Dopingproblem hat. Die Italiener sind ja nicht blauaeugig – und vielleicht macht genau das den Unterschied zur grossen Hysterie, die gerade in Deutschland ausgebrochen ist. „Ich liebe alle Fahrer wie meine Kinder“, hat einmal eine italienische Radsportjournalistin gesagt. Was sie gar nicht hinzufuegen musste: Seine Kinder liebt man ja auch, wenn sie in der Schule zu Spickzettel-Experten werden. Das mag verharmlosend klingen. Aber so ist, in etwa, die italienische Sicht der Dinge. Und sie zeugt von einem gewissen Realitaetssinn. Der Radsport wird so geliebt, wie er ist. Er ist nicht die heile Welt. Er ist dopingverseucht. Er ist gefaehrlich. Aber er ist, trotz allem, verrueckt und schoen und faszinierend.

                    Dem ist fast nichts hinzuzufuegen. Dieser Sport war immer so, und so liebe ich ihn.

                    Karl-Heinz

                    als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #634162
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                      Die Stellungnahme von Dr. Moosburger ist natürlich sehr interessant. Und sie unterstützt Ventils Sicht (die auch meine ist): EIne dreiwöchige Tour ist „ohne“ kaum zu schaffen. Das gilt auch für die Sprinter. Erinnert euch doch daran, dass man immer wieder gelesen hat, dass sich die wahren Dramen im Gruppetto abspielen. Wenn die schweren Jungs ihre Kilos über die Berge wuchten müssen, dann geht ihnen das ja auch wahnsinnig auf die Substanz. Damit die dann die nächste Sprintankunft gewinnen können, benötigen sie auch eine Regeneration, die „allein“ IMHO nicht möglich ist.

                      Mossburger sagt es ja sehr differenziert: Man kann z.B. eine große Bergetappe schaffen „ohne“. Aber man bräuchte dann 1-3 Tage, um sich davon zu erholen! in diesen drei Tagen finden aber, wie wir wissen, eventuell drei weitere schwere Bergetappen statt. Also wie soll das gehen?

                      Gruß

                      Karl-Heinz

                      P.S.: Wer immer am Sonntag Fußball-Weltmeister wird, vergleicht mal seine „Einsatzzeit“ im gesamten Turnier mit der eines „namenlosen“ Profis, der die Tour zu Ende fährt…. Und wenn ihr die Trainingseinheiten zwischen den Spielen dazuzählt, es ist im Vergleich zum Radsport geradezu Erholung!

                      als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633981
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                        Meine Antwort an tango: Ja, ich bin überzeugt, dass die, die in Paris ankamen alle in irgendeiner Wiese gedopt waren.

                        Heute las ich übrigens in der „Kleinen Zeitung“ eine Kolumne von Peter Wrolich. Was glaubt ihr, was der (nach den üblichen Bekundungen des Schocks und der Hoffnung, alles solle lückenlos aufgeklärt werden) schreibt?

                        Sinngemäß weist er darauf hin, dass eine Fussballmannschaft bei der WM in einem Monat maximal 9 Spiele absolvieren müsse. In nur drei Wochen müssten die Radfahrer aber durch Frankreich, über Berge, bei Hitze, bei Regen, Tag für Tag… Er bezeichnet das als unmenschlich. Seiner Meinung nach würde sich das Problem fast erledigen, wenn die Etappen nur mehr 120 Km lang wären…

                        Er bestätigt hier also eigentlich die Thesen, die Ventil, ich und andere vertreten… Wenn er dann auch sagt, das Spektakel wäre bei 120 km nicht geringer, dann ist das ja übereinstimmend mit Veloce stancos Meinung…

                        Gruß

                        Karl-Heinz

                        als Antwort auf: Auswirkungen des Dopingskandals #638235
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                          P.S.: Jetzt wo Brasilien draussen ist, ist Deutschland nicht mehr zu stoppen. Italien freßt ihr. Und die Franzosen haben sowieso einen „Deutschland-Komplex“.

                          Gruß

                          Karl-Heinz

                          als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633950
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                            Quote:
                            Mal eine andere Frage an die Experten. Wenn es denn so ist, dass man gerade die GTs ungedopt nicht überstehen kann, kleinere RF und Eintagesrennen aber schon. Wieso werden dann auch bei kleinen Rennen viele positiv getestet. Also wirklich, wie geht denn das?

                            Das erkläre ich mir persönlich damit, dass der Leistungseinbruch ohne die Mittel moralisch und psychisch nicht zu verkraften ist. „Ohne“ kommt man sich dann wohl wie eine Schnecke vor. Wenn einem Fahrer ein Rennen egal ist, wird ihm das nichts ausmachen. Wenn er aber irgendwelche Ambitionen hat, dann ist es ein Problem für ihn. Also muß er sich dann auch da speziell „präparieren“.

                            Gruß

                            Karl-Heinz

                            als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633948
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                              Genau deshalb mag ich Formel 1 nicht. Eigentlich sagt die Fahrerwertung kaum etwas aus, nur die Konstrukteurswertung hat einen gewissen Sinn.

                              Es ist nun mal eine Kombination…

                              Aber man sieht, wenn es darauf ankommt, schon, wie die wirklich großen Fahrer mehr aus ihrem Auto rausholen als die Mittelmäßigen. Wie sie auch ein Auto entwickeln und verbessern können.

                              Beispiele: Alonso versus Fisichiella, Schumacher versus Massa, Raikkönen versus Montoya.

                              Im Radsport ist es ähnlich. Es gewinnen letztlich doch wieder die Besten…

                              Dazu ein Zitat von Georg Totschnig (auf http://www.nachrichten.at):

                              Quote:
                              Mit Jan erwischte es einen meiner besten Freunde in der Szene. Mit ihm konntest du beim Abendessen nicht nur über den Sport reden, es ging auch um ganz andere Sachen. Wenn ich mit meiner Frau Michi, ihm und seiner Freundin Sara zusammensaß, reden wir darüber, wie es seiner Tochter Sarah im Kindergarten ging. Wann die nächste Party auf seinem Schweizer Anwesen steigt. Und ob Sänger Udo Lindenberg bei dieser Gelegenheit wieder vorbeischaut. Lance Armstrong war da anders. Der sprach den ganzen Abend über Training, Sattel und die Position seines Vorbaus. Für ihn gab es nur Radfahren, und wahrscheinlich gewann er genau deshalb sieben Mal die Tour.

                              Gruß

                              Karl-Heinz

                              als Antwort auf: Auswirkungen des Dopingskandals #638234
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                                • Beiträge: 202
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                                Zum Radsport in Deutschland: Der wird mittelfristig sicher leiden, da Ullrich nun mal das Zugpferd war. Wer hat sich ausser den Insidern zum Beispiel wirklich für Zabels Siege bei MSR interessiert?

                                Deutschland ist einfach keine Radsportnation im engeren Sinne. Das Gesichtsfeld der breiten Masse bezüglich des Radsports ist röhrenförmig auf die Tour eingeengt. Und die konnte nur Ullrich gewinnen. Fällt er weg, dann wird es ähnlich gehen wie mit dem deutschen Tennis nach dem Abgang von Becker und Graf.

                                Übrigens: Bitte nicht beleidigt sein, wenn ich euch nicht als Radsportnation bezeichne, aber ich gehe davon aus, dass ihr als Insider den Unterschied zu Belgien oder Italien kennt.

                                Ihr seid eine Fussballnation! Hier wart ihr bei allem Auf und Ab immer eine fixe Größe. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf den Radsport. Denn wenn ihr in ein paar Tagen, wovon ich ausgehe, wieder Weltmeister seid, dann wird „König Fußball“ vieles andere verdrängen. Ersatzgötter aus anderen Sportarten wird es dann nicht mehr brauchen.

                                Nicht umsonst begann ja der Aufstieg des deutschen Radsports zu einer Zeit, wo es im Fußball nicht ganz optimal lief…

                                Gruß

                                Karl-Heinz

                                als Antwort auf: Auswirkungen des Dopingskandals #638233
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                                  Normalerweise (?) wird Doping gebraucht, um sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen.
                                  Beim Radsport scheint dies nicht der Fall zu sein,was ja gerade jetzt besonders sinnfällig gemacht wurde:
                                  Die beiden Topfavoriten wurden vom selben Arzt prepariert.
                                  Anderes Beispiel:
                                  Als 98 das Festina-Versorgungsfahrzeug mit dem EPO beschlagnahmt wurde, geriet das ganze Peloton in Unruhe. Offenbar wurden damit weißgott nicht nur Festina-Fahrer versorgt.
                                  Ich habe den Eindruck, daß im Peloton ganz solidarisch Adressen ausgewechselt und Tips weitergegeben werden.
                                  Das Ventil liegt da richtig: Die Fahrer betrachten Doping als Grundvoraussetzung, um den Sport betreiben zu können.
                                  Die Öffentlichkeit sieht das leider ganz anders, also wird nach Aussen hin konsequent geschwiegen.

                                  Volle Zustimmung, das gibt die Situation wider…

                                  Gruß

                                  Karl-Heinz

                                  als Antwort auf: Auswirkungen des Dopingskandals #638232
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                                    Zum Kampf gegen das Doping kennt ihr meine Meinung, Vino hat sie ja zitiert: Freigabe unter Festlegung von Grenzparametern. Ich will das nicht mehr näher ausführen.

                                    Ich möchte nur sagen, dass ich Vinos Meinung nicht teile, das ginge deswegen nicht, weil das den Sport gesundheitsschädlich mache. Leistungssport im Allgemeinen und Radsport im Speziellen ist gesundheitsschädlich, auch ohne Doping und ohne medizinische Betreuung schon gar…

                                    Gruß

                                    Karl-Heinz

                                    als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633941
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                                      Lustig zu beobachten, wie derzeit keiner was schreibt. All die Radsportfans schauen wohl beim Fußball zu…

                                      Gruß

                                      Karl-Heinz

                                      als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633939
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                                        Quote:
                                        fährt OWI eigentlich auch selber rad ?

                                        Ja. Begonnen hat es eigentlich mit der Rad-WM 1987, die ja in Villach stattfand. Das Start-Ziel-Gelände lag 2 Kilometer von meinem damaligen Wohnort entfernt. Aber auch da, wo ich jetzt wohne führte damals die Strecke vorbei…

                                        Wie dem auch sei, aufgrund meiner Tätigkeit als Krankenhausarzt komme ich nicht so oft zum Radfahren, wie ich eigentlich möchte. 2005 habe ich 4000 km am Rennrad gefahren. Ich würde mich als ehrgeizigen Freizeitfahrer bezeichnen.

                                        Morgen in einer Woche kommt mein „Saisonhöhepunkt“, der „Kärntner-Seen-Radmarathon“. Den fahre ich zum vierten Mal. Er geht über 160 Kilometer. Faszinierend dabei ist die Rennatmoshpäre, die einen über sich hinauswachsen lässt. Mein bester Schnitt war bisher bei knapp 32 km/h. Unter Freizeitbedingungen für mich auf dieser Strecke unerreichbar. Aber das Adrenalin….

                                        In drei Wochen möchte ich dann erstmals einen zweiten Radmarathon fahren, den Karawanken-Radmarathon. Zwar nur 110 Kilometer, aber zwei zeimlich saftige Pässe. Schön dabei, dass der von Kärnten nach Slowenien und zurück führt.

                                        Richtig lange Dinger bin ich nur zweimal gefahren. Einmal vor 18 Jahren so 220 km am Stück. Und das zweite Mal heuer (Villach-Grado) mit 200 km.

                                        Richtig „wettkampfmäßig“ bin ich in all den Jahren nur zweimal gefahren. Und zwar bei den „Weltspielen der Medizin“, einmal in Klagenfurt, einmal in St.Tropez. War ein Erlebnis, obwohl ich beide Male nur unter „ferner liefen“ landete.

                                        Heuer halte ich bis jetzt bei 2900 km.

                                        Gruß

                                        Karl-Heinz

                                        als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633932
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                                          @ Veloce/Breukink

                                          Du hast vollkommen recht, in den Anfangsjahren, der „heroischen Epoche“ fuhr man 300 Kilometer oder mehr. Aber man hatte ja nach jeder Etappe einen Ruhetag .

                                          Das wäre natürlich auch eine Lösung, und fürwahr keine schlechte! Die könnte ich mir auch gut vorstellen, bezweifle aber, dass Sponsoren und Organisatoren dies wollten…

                                          Auch Dein Idee, die Fahrer sollten sich zur Machbarkeit mal äussern, besticht. Es gab ja irgendwo in diesem Thread einen Link zu den Aussagen von Manzano im Jahr 2004. Da war (auf cylingnews.com) von ihm zu lesen, dass die GT´s in der Form, wie sie heute geplant werden, nicht zu schaffen sind. Er hat allerdings nicht dazugesagt, was eben gerade noch zu schaffen wäre. Es wäre wirklich interessant, wie sie das sehen.

                                          Aber hier begegnen wir im Profizirkus tatsächlich diesem „Gesetz des Schweigens“. Es ist ja immer wieder frappierend festzustellen, wie gutmütig die Fahrer mit denen umgehen, die erwischt wurden. Auch jetzt liest man ja in den Stellungnahmen der anderen nichts, was in Richtung von Verurteilung oder Verachtung gegenüber z.B. Ullrich oder Basso ginge. Voigt war der einzige, der sich etwas aus dem Fenster lehnte. Aber sonst ? Keiner der irgendeinen Sieg, der ihm gestohlen worden wäre, einforderte! Keiner der sagt: „Diese Ar*********!“ Was wettert man ihm Fußball, wenn man sich vom Schiedsrichter um den Sieg betrogen fühlt! Im Radsport: Nie etwas dergleichen! Wohl Schock, Hoffnung, dass sich alles aufklären werde, aber nie eine Verurteilung. Ich meine, dass sagt sooooo viel darüber, was läuft.

                                          Irgenwie ist es wie in Sizilien, wo man ja sagt, dass die Mafia Teil der Mentalität ist. So scheint es mit medizinischer Hilfe im Radsport zu sein. In anderen Sportarten ja auch, aber unser Sport ist einfach in allem extrem.

                                          Und damit zu Deiner letzten Idee. Ja, ich hätte nichts dagegen, wenn man sagen dürfte und würde: „Ich verdanke meinem Sieg dem Doktor X, der mich vorbereitet hat mit einigen besonderen Präparaten…“ In der Formel1 sagt der Sieger ja auch:“Danke ans Team, das Auto war heute phantastisch, die Reifen exzellent.“ Oder im Skilauf (für uns Österreicher ja extrem wichtig): Jeder Sieger weist in den Interviews immer auf das perfekte Material hin, das ihm zur Verfügung stand. Und niemand regt sich auf und sagt:“Warum hatte der so einen guten Ski oder ein so gutes Auto?“ Man versucht lediglich sein Material zu verbessern.

                                          Genau das läuft ja auch in den Ausdauersportarten, wobei das Material eben medizinisch ist. Nur tut jeder irrerweise so, als verwendete er es nicht. Und daher kommt eine Verlogenheit, die Dich zu recht stört. Würde man diese Dinge offenlegen, fiele dies weg.

                                          Gruß

                                          Karl-Heinz

                                          als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633926
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                                            Ich kann mich nur voll Ventils Meinung anschließen: Der Kern des Problems existiert, seit es die GT´s gibt.

                                            Eine dreiwöchige Rundfahrt ist ohne medizinische Hilfe nicht zu bewältigen. Man hat ja z.B. die TdF von Anfang an angelegt als Spektakel. Warum hat denn Henri Degranges für seine Zeitung „L´Equipe“ die Tour erfunden ? Wollte er die Volksgesundheit fördern ? Ging es ihm um „Mens sana in corpore sano“ ?

                                            Nein, es ging ihm um die Auflagenstärke seiner Zeitung, um Kohle. Und da irgendein Konkurrenzblatt viel Erfolg mit einem Eintagesrennen hatte, musste natürlich was Größeres, was Spektakuläreres her, um die Aufmerksamkeit auf seine Zeitung zu ziehen . Eine Fahrt nicht nur von einem Ort zu einem zweiten sondern gleich durch ganz Frankreich. Bald darauf dann auch über Pässe in den Alpen und den Pyrenäen. Das hatte man zu Beginn noch als Unmöglichkeit erachtet.

                                            Kurz und gut, es ging um Geld, Wirtschaft, Werbung und Spektakel, von Anfang an. Ohne Spektakel keine Werbung, kein Geld, keine Auflagensteigerung. Pech nur, dass dieses Spektakel über drei Wochen ging und normalerweise unter Wettkampfbedingungen eigentlich nicht zu schaffen war.

                                            Dazu eine Überlegung: Nehmen wir mal an, alle Fahrer der TdF oder des Giro würden ohne irgendein Mittel fahren, das offiziell als Dopingmittel gilt, und auch nichts verwenden, was neu am Markt ist und noch keiner kennt, was aber unter Doping fallen würde. Nehmen wir also an, sie alle wären „clean“. Dann würden sie trotzdem eine ganze Latte von Nahrungsergänzungsmitteln schlucken, sie würden trotzdem ihre täglichen Infusionen mit Vitaminen und Spurenelementen brauchen. Und jetzt frage ich euch: Wo liegt hier wirklich der Unterschied zu den Mitteln auf der Liste? Nur weil z.B. Vitamine etwas Natürliches sind, wird diese Art der Anwendung um nichts natürlicher! Oder wer von uns braucht täglich, wenn er von seiner Arbeit heimkommt, erst mal eine Vitamininfusion, um am nächsten Tag überhaupt wieder an die Arbeit gehen zu können? Solche Infusionstherapien gibt man sonst eigentlich nur kranken Menschen!

                                            Damit will ich sagen, dass eine GT auf jeden Fall „off limits“ ist. Für sie gibt es in der gesamten Sportwelt auch kaum eine Entsprechung (mit Ausnahme von Sportarten, die als „Extremsportarten“ gelten, die aber nur von einem kleinen Pool sogenannter „Verrückter“ betrieben und nicht ganz ernst genommen werden). Ein Eintagesklassiker ist damit nicht zu vergleichen, auch nicht ein Marathonlauf oder ein Triathlon, denn danach haben die Teilnehmer Zeit sich zu erholen. Auch ein Fussballspiel oder ein Formel1-Grand-Prix kommen nicht mit. Am ehesten kommt noch ein Tennisturnier heran, aber da dauern die Spiele ja im Schnitt vielleicht 2,5 Stunden und dann ist ein Tag Pause.
                                            Die GT steht in der Sportwelt einzigartig da. Für diese Art von Belastung ist der Mensch nicht geschaffen. Nicht unter Wettkampfbedingungen. Und daher war leistungssteigernde, leistungsstabilisierende und regenerationsfördernde medizinische Hilfe, in welcher Form auch immer, von Anfang an systemimmanent .

                                            Wo die „vernünftige Maximallänge“ einer Rundfahrt läge ist schwer einzuschätzen. Ich würde sie bei etwa eineinhalb Wochen ansetzen. Aber Hand aufs Herz: Was bliebe dann von der Faszination einer z.B. TdF? Das, was die Fahrer in uns allen ja wohl auslösen, was die Millionen an den Strassenrand treibt, das ist ja gerade die Faszination ihrer Leiden, ihrer unmenschlichen Leistungen. Welche Etappen werden denn nachher als „mythisch“ oder „episch“ oder „legendär“ bezeichnet? Die, wo es durch Regen oder Schnee ging, die bei gigantischer Hitze ausgefochten wurden, die, wo man auf Schotterwegen noch oben fuhr, die, wo Steigungsprozente bewältigt werden mussten, wo manche nicht mal zu Fuß raufkommen würden, die, die über fünf Pässe führten, die, wo die Fahrer ins Ziel kommen mit bleichen Gesichtern, mit den Gesichtern alter Männer. So etwas ist dann Tags darauf in der Zeitung der „Stoff, aus dem die Helden sind“. Oder hat jemals jemand auch nur ansatzweise ähnliche Aufmersamkeit, ähnliche Emotionen z.B. bei Paris-Nizza, bei der Murcia Rundfahrt oder Tirreno-Adriatico erlebt und auch selber verspürt? Selbst wir „Hardcore-Radsport-Fans“ interessieren uns zwar auch für solche Rennen, aber Saisonhöhepunkte bleiben die drei großen Rundfahrten, die großen Klassiker (auch die leben ja von ihren „Schrecken“ z.B. den Paves) und die WM. Die sogenannten „Giganten der Landstrasse“ werden genau da gemacht. Das sind die Standbeine dieses Sports.

                                            Letztendlich ist, so meine These, der Radsport, den mindestens 95% des Publikums (ich inklusive) lieben und von dem Medien und Wirtschaft (sehr gut) leben, ohne medizinische Hilfe, was zumindest eines seiner Standbeine betrifft, schlicht und einfach nicht möglich. Die „eierlegende Wollmillchsau“ gibt es nicht, auch nicht unter Radsportlern, auch wenn die Sponsoren, neunmalkluge Redaktionsfritzen und Monsieur Leblanc meinen, es müsse sie geben.

                                            Letztendlich stehen wir also vor einer Grundsatzentscheidung: Was wollen wir? Den vielzitierten „sauberen“ Radsport? Okay, dann wird er aber einen Großteil dessen, was ihn faszinierend macht, verlieren. Oder den Radsport, wie er immer war, in seiner ganzen Härte und Größe. Auch okay, aber der wird niemals im Sinne der derzeit gebrauchten Definitionen sauber sein. Ausser, und das wäre die dritte Möglichkeit, ausser wir definieren neu, was „sauber“ ist. Das wäre die Lösung, die ich seit jeher befürworte.

                                            Ich fürchte aber, dass die „Leblanc´sche Schizophrenie“ („Der Radsport bleibt hart und spektakulär wie immer, aber das kann und muss sauber gehen“) weiter bestehen bleiben wird. Und damit wird sich nichts ändern. Jedes Jahr wird es einige kleinere Affären geben und alle paar Jahre mal den „Big Bang“. Aber auch da habe ich mittlerweile den Verdacht, dass dies weder der Wirtschaft noch gar den Medien unrecht ist, den wie herrlich lässt sich da wieder Geld machen, wo ja nur“ bad news good news“ sind. Somit ist für mich dass Schlimmste an all diesen Affären die Scheinheiligkeit, aber damit meine ich nicht die der Fahrer…

                                            Gruß

                                            Karl-Heinz

                                            als Antwort auf: Dopingskandal in Spanien / Mai 2006 #633777
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                                              Laut cyclingnews.com wurden Basso und Mancebo von ihren Teams suspendiert…

                                              Wenn drei Teams solche Top-Fahrer heimschicken, dann muß die Beweislage gegen die ja erdrückend sein…

                                              Gruß

                                              Karl-Heinz

                                              als Antwort auf: Armstrong POSITIV !!!!! #602680
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                                                Aber heute (25.6.) ist auf radsport-news.com zu lesen, dass sein damaliger behandelnder Arzt bzw. Chemotherapeut das entschieden dementiert.

                                                Die Amis lassen sich hier irgendwie zu nützlichen Idioten der L´Equipe und der Franzosen allgemein machen. Dass Amerikaner im Anschwärzen von Konkurrenten ja nicht zimperlich sind, sieht man regelmäßig in ihren Wahlkämpfen. Da ist ja jedes Mittel recht. Vor allem, wenn es gegen wirklich erfolgreiche Leute geht. Irgendwie sind die das wohl so gewohnt. So erkläre ich mir die Aussagen der Andreus und von Greg Lemond. Manchmal denk ich, die alle sind über die Zeiten von Jesse James, Whyatt Earp, Billy the Kid und Co. noch nicht hinaus und treffen sich verbal noch immer am OK-Corral…

                                                Und der pathologische Hass der Franzosen auf alles Amerikanische erinnert mich sehr an die ebenso pathologischen Züge der Engländer, wenn es um Deutschland geht…

                                                Gruß

                                                Karl-Heinz

                                                als Antwort auf: Rominger zum Thema "Doping" #610752
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                                                  @ Veloce

                                                  Ich denke doch, dass man selbst bei diesem Thema zu Konsensen kommen kann. Der kleinste gemeinsame Nenner ist ja zum Beispiel, dass keiner hier mit der momentanen Situation auch nur annähernd zufrieden ist. Die Schlußfolgerung daraus ergibt sich automatisch: es sollte eigentlich so nicht weitergehen. Dass die „Lösungsvorschläge“ sehr differieren, stimmt, aber letztendlich stellen sich zwei Grundrichtungen heraus. Und hier wäre an sich die Idee von einem Radsport der „zwei Klassen“ doch ein Konsens oder ?

                                                  Zu der Sache mit den Skispringern: Ich wollte sagen, dass es nicht sinnvoll gewesen wäre, zu kontrollieren, wieviel ein Springer isst und ihn zu bestrafen, wenn man ihn beim Hungern oder provozierten Erbrechen erwischt (Analogon zu den Dopingkontrollen). Man hat einfach mit der BMI-Sache eine geniale Regel eingeführt, durch die es sich nicht mehr lohnt weniger Gewicht zu haben. Daher braucht man es mit dem Hungern nicht mehr zu übertreiben. Und das wurde erreicht ganz ohne Strafe !!!!

                                                  Und das macht ja auch mit den HTK-Grenzwerten Sinn. Und meiner Meinung nach wäre das auch bei den Anabolika und Wachstumshormonen, letzlich auch beim Cortison sinnvoll. Denn diese Dinger werden hauptsächlich eingesetzt, um die Regeneration zu fördern. Wenn man mit dem BMI z.B. erreicht, dass es dabei bleibt und das keine Muskelpakete gezüchtet werden, dann könnte man auch hier dem Ganzen eben trotz Legalisierung vernünftige Grenzen setzen.

                                                  Zu Breukinks Frage, ob es überal möglich ist, solche Grenzwerte einzuführen, kann ich keine klare Antwort geben außer, dass man sich darüber in all den Bestrebungen, neue Tests zur Jagd der Dopingsünder zu erfinden, noch nicht wirklich intensiv Gedanken gemacht hat.

                                                  Zu Veloces Statement, dass sich legalisiertes Doping gar nicht alle leisten könnten: das ist wohl richtig, aber wahrscheinlich gibt es genügend talente, die nie etwas werden, weil sie sich kein vernünftiges Rad leisten können. Also kein neues Kriterium in dem Sinne.

                                                  All meine Überlegungen gelten allerdings nur immer unter der Voraussetzung, dass man den Sport so möchte, wie er jetzt ist. Deinen Standpunkt kann ich voll verstehen (und das ist ja auch eine Art Konsens), er ist in sich schlüssig. Du brauchst nicht das Mega-Über-Drüber, daher kannst Du nur gegen alles Doping sein.

                                                  Mich, das habe ich ja in einem Vorstatement irgendwo gezeigt, fasziniert eben vor allem das Grenzwertige, das Ungewöhnlich, ich gebe es ja zu. Und offensichtlich bin ich nicht alleine damit. Ich erinnere mich an eine Etappe der Österreich-Rundfahrt vor ca. 7 Jahren. Damals waren die ersten Profiteams bei dieser Rundfahrt, die hauptsächlich von den österreichischen Top-Amateuren bestritten wurde. Die ETappe war ein Rundstreckenrennen am WM-Kurs von 1987 (wo ich wohne). In den ersten Runden versuchten die Amateure das Rennen zu machen. Das war schön anzusehen und „nett“. Aber als dann die Profis ernst machten und das Rennen in die Hand nahmen, das war dann erst wirklich faszinierend für mich. Ein neues Rennen war das dann. Und ich gebe zu, diese Magie lässt mich nicht los.

                                                  Deswegen werden wir beide uns nie völlig treffen. Trotzdem können wir halbwegs vernünftig diskutieren.

                                                  Der Radsport allerdings verträgt diese Ambivalenz nicht. Denn die Funktionäre, Veranstalter und Sponsoren wollen die Leistungen und das Spektakel so wie ich, möchten aber gleichzeitig die Dopingfreiheit so wie Du. Beides zusammen ist aber nicht möglich.

                                                  Gruß

                                                  Karl-Heinz

                                                  als Antwort auf: Rominger zum Thema "Doping" #610749
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                                                    Noch eine Anmerkung zu Ugrumov : Warum spricht er nicht über die Belastungen der Fahrerlungen, die durch die Auto- und Motorradabgase entstehen. Radrennen spiele sich ja nicht in frischer Luft ab. Eigentlich müßte man die Arbeit der Motorradkameras einschränken. So zum Beispiel wenn die Fahrer ganz aus der Nähe aufgenommen werden, d.h. das Motorrad direkt vor ihnen fährt. Ist nicht gesund, glaub ich… Oder will er mir weismachen, dass der Lärm von drei oder vier Helikoptern, die über dem Fahrerfeld schweben harmlos ist ?

                                                    Es sind schlicht und einfach diese Zweigleisigkeiten, diese Scheinheiligkeit, diese blinden Flecken, diese Heuchelei, im besten Fall diese Naivität, die mich so stören.

                                                    Davon ausgenommen: Veloce stanco, weil er konsequent ist und sagt, dass ihn weniger Show (ich fasse das mal so plakativ zusammen) nicht stören würde. Wenn er dann auch noch zu denen gehört, die auf einem Sportler nicht herumhacken, wenn es mal nicht so läuft, dann noch mehr Hochachtung.

                                                    Das ist nämlich auch so eine Sache: Wenn Sportler siegen jubeln alle sie hoch. Wenn es mal nich nicht ganz so toll läuft, dann fragen alle Sporreporter dieser Welt: „Was haben Sie falsch gemacht ? Wer oder was ist verantwortlich ?“

                                                    Wenn ein österreichischer Skifahrer obenauf ist, dann sind die Reporter (und das Volk) mit ihm per Du. Dann wird aus „Reinhard“ eben der „Reini“. Unser aller „Reini“ natürlich, Staatseigentum der österreichischen NAtion. Wenn er verliert, dann fragt der Reporter: „Herr Schönfelder, warum…?“ Und er fragt es in einem Ton, der zeigt, dass er eigentlich fragt: „Warum, Sie Tepp, gewinnen sie derzeit nicht, so wie der österreichische Steuerzahler das erwartet ?“

                                                    DAS ist doch die Sportwelt: Nur die Sieger von heute zählen. Schon die Sieger von gestern, die heute verloren haben, werden geprügelt, ganz egal, was sie schon geleistet haben mögen.

                                                    Gruß

                                                    Karl-Heinz

                                                    als Antwort auf: Rominger zum Thema "Doping" #610748
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                                                      Noch eine Anmerkung:

                                                      Sinnvoller als alle Jagd nach Dopingmitteln wäre es, klare Obergrenzen bei körperlichen Parametern zu setzen. Das wäre ein wirkungsvoller Schutz für die Sportler.

                                                      Man kann also Doping freigeben aber trotzdem darf zum Beispiel der Hämatokrit 50 % nicht überschreiten. Läge jemand drüber, dann sollte er weiterhin nicht starten dürfen. Das schützt vor Übertreibung und vor Schäden (@ Ugrumov: Warum soll ein Hämatokrit von 51 % schädlicher sein, wenn er auf Epo basiert, als dann, wenn durch Höhentraining hervorgerufen ?) Einen „Mister 60 %“ würde es dann nicht geben.

                                                      Ein gutes Beispiel bietet der Skisprungsport. Dort gab es bis vor zwei Jahren die Tendenz, möglichst leicht Athleten zu erzeugen. Da wurden regelrechte Hungerkuren durchgeführt, die Sportler sahen zum Teil aus wie Magersüchtige. Einige sind übrigens tatsächlich magersüchtig geworden. Nun hat man das Reglement so geändert, dass der Body-Mass-Index eines Springers bestimmt, wie lange sein Sprungski sein darf. Hungert er also, dann sinkt sein BMI, folglich muß er kürzere Ski verwenden. Kürzere Ski aber vermindern den Auftrieb. Folge: Wie derzeit bei der Vierschanzen-Tournee zu sehen, ist die Zeit der fliegenden Skelette vorbei. Eine gelungene Regelung.

                                                      Auch im Radsport gäbe es daMöglichkeiten. Die Hämatokrit-Messung ist da schon mal ein erster sehr guter Schritt. Auch der BMI wäre eine Möglichkeit, könnte er doch der Verwendung von Anabolika und Wachstumshormonen klare Grenzen setzen.

                                                      Meine Thesen zusammengefasst:

                                                      1. Gebt es frei, legt legal in die Hände von Spezialisten, dann läuft es geregelter und besser ab. (@ Veloce: Du hast recht, auch zur Zeit sind ja Ärzte im SPiel. Aber sie sind in keinster Weise gezwungen zu irgendeiner Verantwortung, den Experimenten sind keine Grenzen gesetzt, da sie ja etwas tun, was offiziell niemand tut. )

                                                      2. Schützt die Athleten nicht durch eine Jagd nach Doping (ist, wie sich zeigt ja kein wirksamer Schutz) sondern durch Grenzwerte bei körperlichen Parametern.
                                                      Das allein auch stellt höhere Chancengleichheit her. Und wenn ihr sie schützt, dann auch vor anderen Gefahren ihres Berufes (Wetterbedingungen, Strassenbelag, etc., etc…)

                                                      Gruß

                                                      Karl-Heinz

                                                    Ansicht von 25 Beiträgen – 151 bis 175 (von insgesamt 197)